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Aufgrund der eingeschränkten Nutzung entlang der ehemaligen Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten bildet das Grüne Band eine Biotopverbundachse.

30 Jahre Grünes Band Deutschland

Zum Auftakt des Jubiläums „30 Jahre Grünes Band Deutschland – 30 Jahre Öffnung des Eisernen Vorhangs“ trafen sich im Dreiländereck nahe des oberfränkischen Hof Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber, Sachsens Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Thomas Schmidt, Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund und aus der Tschechischen Republik Vladimir Mana, Vizeminister für Staatsverwaltung.

Aufgrund der bis 1989 eingeschränkten Nutzung entlang der ehemaligen Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten und der dadurch heute noch ausgedehnten naturnahen Bereiche bildet das Grüne Band eine der wichtigsten transnationalen Biotopverbundachsen innerhalb Europas und Deutschlands.

Das Grüne Band im Fokus der Länder

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber: Bayern verwirklicht zusammen mit Tschechien bereits lange grenzübergreifende Aktivitäten für den Naturschutz. Das Interreg-Projekt „Aufbau nachhaltiger Jungmuschelbestände in Natura-2000-Gebieten im Grünen Band Bayern-Tschechien zum Schutz der Flussperlmuschel“ des BUND Naturschutz und der tschechischen Naturschutzagentur AOPK ist hierfür ein gutes Beispiel. „Aus Vergangenheit wird Zukunft: Aus einem düsteren Kapital der Geschichte hat sich ein einzigartiges Refugium für bedrohte Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Das Grüne Band ist für uns ein Ort der Erinnerung und der Hoffnung zugleich. Es bietet eine einmalige Chance für den Erhalt der biologischen Vielfalt in Europa“, betonte Glauber.

Dr. Oliver Bär, Landrat des Landkreises Hof: „Das Dreiländereck als Übergang von innerdeutschem Grünen Band zum Grünen Band Europa hat eine herausgehobene Bedeutung mit Blick auf Flora und Fauna. Ich möchte hierbei auch das Engagement der anliegenden Kommunen betonen, die sich für den grenzübergreifenden Austausch auf zahlreichen Ebenen stark machen und zeigen, wie ein gemeinsames Europa funktioniert.“

Der sächsische Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Thomas Schmidt unterstrich: „Sachsen hat bereits sehr früh seine Verantwortung für das Grüne Band wahrgenommen und seinen 42 km langen Abschnitt bereits im Jahr 1996 komplett unter Schutz gestellt. Parallel wurden Handlungskonzepte aufgestellt und umgesetzt, um den Lebensraumverbund aktiv zu verbreitern und dessen Naturschätze durch eine nachhaltige Grünlandnutzung zu erhalten.“

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund verwies auf das im Herbst 2018 auf seiner gesamten Länge von 763 km als Nationales Naturmonument ausgewiesene Grüne Band Thüringen: „Ich freue mich sehr, dass der Freistaat hiermit eine Vorreiterrolle bei der Weiterentwicklung des Grünen Bandes Deutschland einnimmt. Thüringen setzt damit ein Signal von europäischer Tragweite, um die einmalige Verbindung von Natur und Geschichte des Grünen Bandes auch für künftige Generationen zu bewahren.“ Das Land Sachsen-Anhalt will diesem positiven Beispiel folgen und noch bis Ende des Jahres seinen Anteil am Grünen Band als Nationales Naturmonument ausweisen. Die weiteren Anrainerländer sollten diesem Vorbild folgen – dies wäre ein geeignetes Geschenk zum 30. Geburtstag des Grünen Bandes.

Dr. Uwe Riecken, Abteilungsleiter im Bundesamt für Naturschutz (BfN) und National Focal Point für das Grüne Band in Deutschland, betonte: „Trotz der erzielten Erfolge dürfen die Bemühungen zum Schutz und zur Entwicklung des Grünen Bandes als übergreifender Lebensraumverbund nicht nachlassen. Aktuell ist das rund 1.400 km lange Grüne Band Deutschland auf 170 km Länge nicht mehr erkennbar, insbesondere durch intensive landwirtschaftliche Nutzung. Das Schließen der Lücken ist eine der großen Herausforderungen für die Zukunft. BfN und BMU unterstützen dieses Ziel durch die Bereitstellung erheblicher Fördermittel“

Tschechien hat seinen 346 km langen Teil des Grünen Bandes zu Bayern nicht nur durch den Nationalpark Šumava, sondern auch durch groß- und kleinflächige Landschaftsschutzgebiete langfristig gesichert. Außer dem Flussperlmuschel-Projekt kann ein anderes Beispiel der sehr gut funktionierenden Zusammenarbeit erwähnt werden. Vladimir Mana, Vizeminister für Staatsverwaltung der Tschechischen Republik verwies auf das aktuell laufende durch die EU, das tschechische Umweltministerium und den Bayerischen Naturschutzfonds geförderte Projekt „LIFE for MIRES“: „Unter Federführung des Nationalparks Šumava arbeiten der Nationalpark Bayerischer Wald, der BUND Naturschutz und die Südböhmische Universität in České Budějovice für den grenzübergreifenden Moor- und Klimaschutz für die nächsten sechs Jahre eng zusammen.“

Grenzübergreifende Aktivitäten

Als im Dezember 1989 die Aktivitäten zum Schutz der wertvollen Natur entlang der innerdeutschen Grenze unter dem Namen „Grünes Band“ beim ersten Ost-Westdeutschen Naturschutztreffen in Hof als gesamtdeutsches Projekt initiiert wurde, ahnte noch niemand, dass sich daraus diese großartige gesamteuropäische Initiative entwickelt, hob Prof. Hubert Weiger, der Vorsitzende des BUND hervor und ergänzte: „Insbesondere in Zeiten einer zunehmenden Fokussierung der europäischen Staaten auf die jeweils eigenen Vorteile und Interessen auf Kosten der Staatengemeinschaft, wird mit der Initiative zum Grünen Band der europäische, völkerverbindende Gedanke gelebt wie kaum irgendwo sonst.“

Eine der modellhaften, grenzübergreifenden Aktivitäten zum Schutz von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten am Grünen Band ist das Projekt „Aurinia“ (Laufzeit 2015 bis 2021) zum Schutz des Goldenen Scheckenfalters im Dreiländereck Bayern-Sachsen-Tschechien, gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt. Nur durch grenzübergreifende Zusammenarbeit könne dessen Lebensraum langfristig erhalten und entwickelt werden, so Doris Tropper, stellvertretende Vorsitzende des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN).

Das Grüne Band ist eine Erinnerungslandschaft an die Überwindung der deutschen und europäischen Teilung. Mit der Nachbildung und dem Aufstellen des Grenzpfahls Nr. 2735, dem südlichsten DDR-Grenzpfahl der ehemaligen innerdeutschen Grenze, im Grünen Band Sachsen, wird ein Gedenkort an diese Zeit geschaffen. Ein QR-Code verweist auf die Broschüre „Spurensuche am Grünen Band“ hin.

Die Projekte „Lückenschluss Grünes Band“ und „Aurinia“ werden im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.

BfN, BUND/Red.

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