ForstBranche

3. Hessisches Staatswaldforum: Für den Mischwald von morgen

Bearbeitet von Jörg Fischer

Am 28. April fand auf Einladung des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) und des Landesbetriebs HessenForst das dritte Hessische Staatswaldforum im Forstlichen Bildungszentrum Weilburg statt. Im Fokus stand die Frage, wie der Wald der Zukunft vor Schadorganismen bestmöglich geschützt und ein pflanzenschutzmittelfreies Waldschutzkonzept umgesetzt werden kann.

Seit 2018 sind im hessischen Staatswald nach Angaben von HessenForst Freiflächen von ca. 30.000 ha entstanden. Um die steigenden Ansprüche an Ökosystemleistungen, nicht zuletzt den Klimaschutz, zukünftig möglichst optimal erfüllen zu können, ist auf diesen Flächen ein klimastabiler Mischwald geplant. Dieses Ziel könne dabei auf etwa 50 % der Fläche auf natürlichem Wege realisiert werden. Auf den verbleibenden Flächen werde HessenForst die Baumartenzusammensetzung aktiv durch Pflanzung mitgestalten und so erforderliche Anpassungen an den Klimawandel zielgerichtet weiterverfolgen.

Staatswaldforum: Erfolgsfaktoren für die Wiederbewaldung

In den vergangenen vier Jahren legte HessenForst im Staatswald laut eigener Angaben 4.000 ha Kulturen an. „In den kommenden Jahren planen wir weiterhin jährlich rund 1.500 ha Schadfläche zu bepflanzen“, erklärte Dr. Johannes Weidig, Sachbereichsleiter Waldbaugrundlagen, Klimaschutz und -anpassung, Biologische Produktion bei HessenForst und ergänzte: „Mit der wachsenden Verjüngungsfläche steigt der Aufwand für die Kultursicherung und Jungwuchspflege. Nicht nur die Kulturen, sondern auch die Naturverjüngungsflächen müssen gepflegt und zu stabilen Mischwäldern entwickelt werden. Diese Arbeiten sind essenzielle Erfolgsfaktoren der Wiederbewaldung.“

Zur Pflege der Kulturen gehöre auch deren Schutz vor Schadorganismen. Florian Rux, Sachbereichsleiter Dienstleistungen Körperschafts- und Privatwald, Kompensation und Drittmittelakquise bei HessenForst, verdeutlichte daher in seinem Referat, dass nicht nur Wildtiere wie Rotwild, Rehwild und Hase nennenswerte Schäden an Forstkulturen verursachen können, sondern auch einige Mäusearten und Insekten wie der Große Braune Rüsselkäfer.

Aktuelle Fragen des Waldschutzes

Wie kann diesen Forstschädlingen entgegenwirkt werden und welche Rolle und Relevanz spielen Pflanzenschutzmittel in diesem Zusammenhang? Sowohl Florian Rux, als auch Forstwissenschaftler Dr. Martin Rohde, Leiter der Abteilung Waldschutz an der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) betonten, dass Schadensvorbeugung Vorrang vor Bekämpfung haben müsse. Als Strategie benannten beide den sogenannten integrierten Waldschutz – eine Kombination von vorbeugenden, technischen, biologischen, biotechnischen und chemischen Verfahren, wobei chemische Verfahren (Pflanzenschutzmittel) nur dann als „Ultima ratio“ angewandt werden, wenn die Existenz eines Bestandes oder die Erfüllung seiner Waldfunktionen bedroht ist und andere Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind.

Umweltministerin Priska Hinz erklärte unter Hinweis auf den Vorrang von Biodiversität und Schutzzielen gemäß den Richtlinien für die Bewirtschaftung des Staatswaldes aus dem Jahr 2018, dass sie für den Staatswald bereits entschieden habe, keine Rodentizide mehr einzusetzen, um Beeinträchtigungen von Fressfeinden oder Langschwanzmäusen auszuschließen: „Zur Vermeidung weiterer Pflanzenschutzmittel erhoffe ich mir von diesem Staatswaldforum Anregungen und Impulse für ein pflanzenschutzmittelfreies Waldschutzkonzept für unseren Hessischen Staatswald und damit natürlich auch wichtige Anregungen für alle Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer.“

Der Leiter des Landesbetriebs HessenForst, Michael Gerst, berichtete, dass mit maßgeblicher Unterstützung des Landes Hessen, aber auch von Sponsoren und engagierten Bürgern, HessenForst gegenwärtig in den Mischwald von morgen investiere. Dies diene der Zukunftssicherung des hessischen Waldes. Das Ziel, einen klimastabilen Mischwald zu etablieren, werde fast komplett ohne Pflanzenschutzmittel realisiert.

Mit Material von HessenForst