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Die Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia) wurde zum Baum des Jahres 2020 ausgewählt – Erläuterungen von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald

25. April: Tag des Baumes

Dieses Jahr muss sich auch der Tag des Baumes den Coronazeiten anpassen. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) beabsichtigt, ihre geplanten Pflanzungen im Herbst durchzuführen. Der Deutsche Forstverein weist die Bedeutung des Waldes hin. Der BDF schlägt Alarm für den Wald, der Deutsche Forstwirtschaftsrat betont die Rolle der nachhaltigen Waldwirtschaft.

Der Internationale Tag des Baumes wird seit 1952 in Deutschland gefeiert. Normalerweise werden an dem Tag im Durchschnitt 70.000 Bäume – von Setzlingen bis zu großen Stadtbäumen – gepflanzt. Doch dieses Jahr muss sich auch der Tag des Baumes den Coronazeiten anpassen. Gemeinschaftlich Bäume zu pflanzen, sich zu Aktionen zu treffen, ist dieses Jahr nicht möglich. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) beabsichtigt, ihre geplanten Pflanzungen im Herbst durchzuführen. Auch die Pflanzungen ihres Projektes „1 Million Bäume für den Wald“ zusammen mit BAUHAUS wird im Herbst, begleitet von Waldexkursionen, beginnen. SDW-Präsident Dr. Wolfgang von Geldern ist überzeugt: „Jeder kann seinen Teil zum Erhalt des Waldes beitragen.“ Er appelliert deshalb an die Bevölkerung, durch umweltbewusstes Leben, dem Klimawandel, entgegenzuwirken.

Angesichts der aktuellen Trockenheit bittet die SDW zum Tag des Baumes 2020 alle Bürgerinnen und Bürger, ihren Lieblingsbaum oder den Baum an der Straße aufzusuchen und mit Wasser zu versorgen. Bäume in der Stadt bekommen oft wenig Wasser ab, als die Bäume im Wald. Selbst wenn es regnet, kommt in den engen Häuserschluchten deutlich weniger Regenwasser an. Außerdem versickert der Großteil des Niederschlages aufgrund der Versiegelung in Gullis und kann den Wasserspeicher im Boden nicht auffüllen. Je nach Größe des Baumes benötigt ein Straßen- oder Alleenbaum täglich mindestens 9 bis 14 Liter. Jeder Eimer Wasser zusätzlich hilft den Bäumen, die trockene Phasen zu überleben.

Der Deutsche Forstverein weist die Bedeutung des Waldes hin

Der Deutsche Forstverein e.V. möchte den Tag des Baumes nutzen, um auf die Bedeutung des Waldes hinzuweisen: Das Leben auf der Erde ist ohne Wald nicht denkbar: sei es als Lebensraum für Pflanzen und Tiere, Kohlendioxid- und Wasserspeicher, Luftreiniger, Sauerstoffproduzent, Erholungs- und auch als Arbeitsort. Und ohne Bäume kein Wald.

Ein Wald hat viele Funktionen, aber auch ein Baum bietet viele verschiedene Lebensräume. Er ist Teil eines großen Ökosystems. Er ist bevölkert von Vögeln, Insekten, Pilzen, Säugetieren und vielem mehr. Das Holz eines Baumes kann man vielseitig verwenden. Auch hat ein Baum in seinem Lebenszyklus viele Gesichter und bietet während dieser langen Zeit unterschiedliche Nischen. Er startet als Keimling, wird zu einer kleinen Pflanze und nach langer Zeit zu einem großen, stattlichen Baum. Irgendwann wird aber auch dieser Baum alt, kann dann aber immer noch als Totholz wertvoller Lebensraum sein. „Der Wald ist ein vielfältiger Lebensraum, doch auch ein Einzelbaum gibt uns die Möglichkeit vieles zu entdecken.“ so die Geschäftsführerin des Deutschen Forstvereins (DFV) Alexandra Arnold.

Der Wald und somit auch die Einzelbäume sind durch den Klimawandel bedroht. Stürme, die letzten beiden Trockensommer und die Borkenkäferplage führen zu absterbenden Waldbeständen. Nun gilt es, diese Flächen wieder mit Baumarten, die dem Klimawandel in den nächsten 100 Jahren standhalten können zu bepflanzen. Eine mögliche Baumart ist die Robinie, der Baum des Jahres 2020. Die Robinie ist hitze- und trockenheitstolerant und wächst ungewöhnlich schnell. Eigenschaften, die sie nun interessant machen. „In der jetzigen Situation müssen wir die Freiflächen schnell wieder bepflanzen. Die Robinie kann in diesem Zusammenhang eine Alternative sein.“, so Arnold.

BDF schlägt Alarm für den Wald

Am 25. April sollte eigentlich überall gefeiert und gepflanzt werden. Das ist nun wegen der Corona-Krise abgesagt. Angesichts der Dürre ist jedoch allen Forstleuten und anderen BaumfreundInnen ohnehin nicht feierlich zumute. Die Sorge überwiegt. Millionen kleine neu gepflanzte Bäumchen verdorren im Wald, Stadtbäumen geht es nicht gut, die Borkenkäfer fressen munter weiter und Waldbrände kommen noch hinzu. Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) schlägt Alarm für den Wald. Drei Jahre Dauerstress sind zu viel. Die ohnehin schon viel zu dünne Personaldecke ist zusätzlich angespannt.

Das Virus für den Wald heißt „Klimawandel“ und kann nur gemeinsam besiegt werden. „Corona wirkt sich auch im Wald negativ aus. Die Pflanzveranstaltungen mussten abgesagt werden, Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland fehlen, das eigene Forstpersonal – eh schon ausgedünnt – ist auch nur bedingt einsetzbar. Millionen Pflanzen kommen nicht in die Erde für den dringend benötigten Waldumbau und die Wiederbewaldung. Bereits gepflanzte Bäumchen vertrocknen gerade. Ebenso die natürlich nachkommenden Sämlinge “, erläutert Ulrich Dohle, Bundesvorsitzender des BDF.

Das Jahr 2020 ist das dritte Dürrejahr in Folge. Die Schäden im Wald, aber z.B. auch an den Bäumen in der Stadt oder auf Streuobstwiesen, steigen immens. Die Zahlen von Anfang des Jahres – 250.000 Hektar Schadfläche und 160 Millionen Kubikmeter Schadholz – sind wohl eher eine Untergrenze. In Zeiten der Corona-Krise, die derzeit alle Aufmerksamkeit braucht, darf die Klimakrise nicht vergessen werden. Der Wald ist systemrelevant. Als Klimaschützer Nr. 1, zur Gesundheitsfürsorge, Erholung, als schützendes Ökosystem, Hort der Vielfalt und nicht zuletzt auch als Holzlieferant. Forstleute und Waldbesitzende dürfen nicht allein gelassen werden. Die Politik darf den Wald und die Hilfe für ihn nicht vergessen. „Die Corona-Krise zeigt, was gemeinsam geschafft werden kann. Das muss auch im Klimawandel möglich sein“, so Dohle abschließend.

DFWR: Nachhaltige Waldwirtschaft schafft Grundlage für eine gesunde und belastbare Gesellschaft

Zum Tag des Baumes am 25. April 2020 betont Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR) angesichts des viel zu trockenen Frühjahrs: „Wenn wir einen flächendeckenden Baumbestand für die Zukunft erhalten wollen, müssen wir Rahmenbedingungen schaffen, mit denen die Forstwirtschaft durch die Krisensituation kommt“. Denn mehr denn je wird in Zeiten der Corona-Pandemie deutlich, dass die Gesellschaft sich verstärkt zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise hin entwickeln muss. Die Forstwirtschaft ist dabei unverzichtbar zur Erreichung der Klimaneutralitätsziele der Europäischen Union bis 2050 und damit als Basis einer belastbaren und gesunden Gesellschaft.

Dies kann nur mit einem starken Cluster Forst und Holz sowie der Produktion und Verwendung des regional und nachhaltig produzierten Rohstoffes Holz gelingen. Umso wichtiger ist es jetzt alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Waldbesitzenden zu unterstützen und sie in die Lage zu versetzen ihre Wälder weiter zu bewirtschaften und allen voran das Schadholz aufzuarbeiten. Gleichzeitig darf der Waldumbau hin zu klimastabileren Mischwäldern jetzt nicht ins Stocken geraten. Die mit großen Anstrengungen erreichten Mittel von Bund und Ländern in einer Höhe von rund 800 Mio € gilt es in einer weiteren gemeinsamen Kraftanstrengung möglichst unbürokratisch zu den Waldbesitzenden auf die Fläche zu bekommen.

„Die Erfahrungen bei der Bewältigung der aktuellen Krise zeigen aber auch, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen für ein effizientes Risiko- und Krisenmanagement nicht ausreichen. Aus diesem Grund braucht es seitens des Gesetzgebers und der Verwaltung die nötigen Instrumentarien, um vorausschauend Risikovorsorge betreiben und im Kalamitätsfall angemessen reagieren zu können und damit ein schnelles und effektives Handeln zu ermöglichen,“ fordert Schirmbeck. Darüber hinaus sind auch angepasste Wildbestände Voraussetzung, um den Wald an den Klimawandel anzupassen und eine möglichst breite Baumartenpalette in unseren Wäldern zu ermöglichen. Mit den sich verändernden Klima- und Standortbedingungen gilt es bei der Wiederbewaldung dabei auch alternative Baumarten zu berücksichtigen und flexibel auf die dynamischen Veränderungen des Klimas und der Natur zu reagieren.

SDW/DFV/BDF/DFWR

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