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24. Bundesforstfrauentagung

24. Bundesforstfrauentagung

Vom 16. bis 19. September trafen sich Forstfrauen zur 24. Bundesforstfrauentagung, die in Berlin und Brandenburg stattfand. Im Mittelpunkt stand die besondere Rolle der Berliner Forsten als reiner Erhohlungswald.

Manchen mag es verwundern, aber 18% der Berliner Landesfläche sind tatsächlich Wald. Letztes Jahr wurden die Berliner Forsten 100 Jahre alt. Sie waren von Anfang an zur Erholung der Bevölkerung gedacht. Die Wälder werden von den mittlerweile 3,4 Mio. Einwohnern intensiv genutzt, wodurch sich die Forstwirtschaft Berlins von der anderer Bundesländer stark unterscheidet. Das zeigt sich bereits bei der Organisation, ist doch das Landesforstamt Berlin direkt der Stadtentwicklungsbehörde des Senats untergeordnet. Seit Ende der 90-er Jahre wird der Wald naturnah bewirtschaftet, und seit 2002 ist er FSC/Naturland-zertifiziert. Eine besondere Herausforderung war das Zusammenwachsen von Ost und West nach der Wende.
Waldpädagogik
Es gibt sechs Waldschulen in Berlin (Bogensee, Bucher Forst, Plänterwald, Teufelssee, Spandau, Zehlendorf), die von gemeinnützigen GmbHs getragen werden. Ihr Angebot richtet sich an Schüler bis zur sechsten Klasse. Für ältere Kinder gibt es das Lehrkabinet Teufelssee und die Waldschule des SDW. Das Ziel ist, jedes Berliner Kind mindestens einmal während der ersten sechs Schuljahre in eine Waldschule zu bekommen. Daher sind die Waldschulen ab März geöffnet und beschulen pro Tag bis zu drei Klassen. Für jeden 5. Sechsjährigen ist dies der erste Besuch in einem Wald überhaupt. Bei den Schulungen wird versucht, Natur- und Umweltbewusstsein zu wecken, das Sozialverhalten und das Denken in Zusammenhängen zu verbessern (Wald als Psycho-top), wobei die zur Verfügung stehende Zeit immer viel zu kurz ist. Erreicht werden derzeit etwa 84% der Großstadtkinder. Probleme gibt es mit den z.T. sehr langen Anfahrtswegen, den großen Klassen, überforderten Lehrern und Schwierigkeiten bei der Verständigung.
Referenzfläche des FSC-zertifizierten Waldes
Besonders deutlich wurde die Waldnutzungsproblematik beim Begehen der Referenzfläche (ca. 20 ha). Überall fanden sich Zeichen intensivster Nutzung durch Erholungssuchende. So gab es ein Waldsofa, einen Aussichtspunkt am Ort der ehemaligen Gaststätte „Müggelbaude“ oberhalb des Müggelsees und eine ehemalige Rodelbahn, die zu einer Rennstrecke für BMX-Fahrer umgebaut worden war.
Der Landesforstbetrieb Brandenburg
Im Landesforstbetrieb Brandenburg werden forstwirtschaftliche Aufgaben derzeit neu strukturiert. Dabei wird eine Trennung der Forstwirtschaft im Landeswald von hoheitlichen Aufgaben und Aufgaben zum Gemeinwohl angestrebt. Dazu gibt es sieben Zentren, in denen überregionale Aufgaben wahrgenommen werden, sowie ein Koordinationszentrum in Potsdam. Dabei überschneiden sich zwar die Flächen der Forstämter, nicht aber die Zuständigkeiten, was die Beteiligten überwiegend als Chance sehen. Es ist die Aufgabe der Zukunft dafür zu sorgen, dass der Übergang in die neuen Strukturen möglichst wenige Probleme aufwirft.
Revier Massow im Privatwald Hatzfeld-Wildenburg
Vor der Wende gehörte das Gebiet zu einem militärischen Sicherheitsbereich zur Ausbildung von Elitegruppen. Es wurde 2001 von Graf Hatzfeld-Wildeburg gekauft. Das FSC/Naturland-zertifizierte Revier Massow unter Leitung Herrn Illers besteht fast ausschließlich aus Kiefer auf Sand mit einer ungünstigen Altersstruktur. Die erste und größte Investition erfolgte zur Erstellung eines sinnvollen Wegenetzes. Aus Kostengründen werden alle Arbeiten, die im Revier anfallen, mit regionalen Unternehmern durchgeführt, die aber kontinuierlich eingesetzt werden. Der Absatz des Holzes ist kein Problem, da am Rande des Reviers das Holzkompetenzzentrums Baruth mit einer Sägekapazität von über 1,2 Mio. fm liegt.
Der waldbauliche Schwerpunkt der nächsten Jahre besteht in der Pflege und Qualitätssicherung, sowie dem Umbau der Monokulturen in standortangepasste Birke-Kiefer- oder Birke-Eiche-Mischwälder, wobei auch die Douglasie eine Rolle spielen wird. Der Jagdbetrieb dient der Erreichung der waldbaulichen Ziele, d.h. es wird ziemlich stark bejagt. Dadurch verbesserten sich nicht nur die Bedingungen für die Verjüngungen, sondern auch der Gesundheitszustand des Wildes (Reh-, Rot und Damwild). Besonderes Augenmerk liegt auf der Bekämpfung von Waldbränden und Kalamitäten durch Kiefernschädlinge wie Nonne und Spinner.
Führung durch den Bundestag
 
Zum Abschluss der Tagung stand eine Führung durch den Bundestag auf dem Programm, doch es ist nicht gerade einfach, zum Reichstagsgebäude zu gelangen, wenn vor dessen Toren eine Anti-Atomkraft-Demonstration stattfindet. Sämtliche Brücken waren abgesperrt und erst nach zähen Verhandlungen mit der Polizei gelang es uns das Ziel zu erreichen. Die Forstfrauen hatten zahlreiche Fragen zur Arbeit der Politiker, doch wirklich wohl fühlten sich die wenigsten in den hohen Räumen und Fluren.
Dr. Katharina Kolata

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