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20 Jahre nach dem großen Waldsterben im Erzgebirge

20 Jahre nach dem großen Waldsterben im Erzgebirge

Umweltminister Frank Kupfer hat am 24. September das ehemalige Waldschadensgebiet am Kahleberg bei Altenberg (Landkreis Sächsische Schweiz–Osterzgebirge) besucht und sich über die Ergebnisse der Wiederaufforstungen der vergangenen zwei Jahrzehnte informiert. „An kaum einem anderen Ort in Sachsen kann man so deutlich erkennen, welche positiven Auswirkungen die Deutsche Einheit für unseren Wald hatte. Noch vor 20 Jahren verwandelten abgestorbene Bäume diese Region in düstere Mondlandschaften. Heute finden wir hier eine Landschaft, die die Bezeichnung Wald endlich wieder verdient“, sagte Kupfer.
Bereits in den 1980er Jahren wurde auf rund 2 500 Hektar Kahlflächen in den heutigen Forstbezirken Marienberg und Bärenfels ein umfassendes Aufforstungsprogramm mit sogenannten „rauchharten“ Baumarten, wie Blau- und Omorikafichten, Murraykiefern oder Lärchen gestartet. Nach der Deutschen Einheit wurde die Wiederaufforstung durch die rasche Verminderung der Luftschadstoffe begünstigt. Infolge umfangreicher Sanierungsmaßnahmen in der Industrie und den Wohnhäusern sowie durch den Einsatz von Filteranlagen in den Kraftwerken konnten innerhalb weniger Jahre die Immissionen drastisch gesenkt werden.
So ist seit 1990 der Schwefeldioxid-Ausstoß in Sachsen um 98 Prozent zurückgegangen.
Viele Waldböden im Erzgebirge, wie auch in den anderen sächsischen Mittelgebirgen, sind durch die jahrzehntelangen Einträge aus der Luft noch immer stark übersäuert. „Deshalb führen wir jedes Jahr im Freistaat eine Bodenschutzkalkung durch. In den vergangenen 20 Jahren haben wir in ganz Sachsen mehr als 300 000 Hektar Wald gekalkt“, betonte der Forstminister.
Neben den Maßnahmen zur Bodensanierung ist derzeit der Waldumbau eine der wichtigsten forstlichen Aufgaben. „Auch im Erzgebirge soll wieder ein lebendiger, gesunder und an die örtlichen Verhältnisse angepasster Wald entstehen“, kündigte Kupfer an. „Die fremdländischen Baumarten, die vor über 20 Jahren gepflanzt wurden, haben zwar die Luftschadstoffe damals besser vertragen, sind aber unter den neuen Bedingungen des Klimawandels nicht gut geeignet.
Nun gilt es, diese „Interimsbestockungen“ möglichst schnell in Wälder mit heimischen Baumarten umzuwandeln“, so der Minister weiter. Im Erzgebirge sind das vor allem Fichten-Bergwälder und Bergmischwälder aus Fichten, Tannen und Buchen. Gegenwärtig werden etwa acht bis zehn Hektar pro Jahr im Landeswald der Forstbezirke Marienberg und Bärenfels in standortgerechte Bestände umgewandelt. Privatwaldbesitzer können für diese Maßnahmen über das sächsische Waldumbauprogramm Fördermittel beantragen.
Hintergrund:
1990 waren rund 282 000 Hektar Wald in Sachsen immissionsgeschädigt. Das waren 62 Prozent der gesamten Waldfläche. Etwa 38 000 Hektar (rund neun Prozent) befanden sich in der Schadzone I, waren also extrem geschädigt, bzw. abgestorben. Die Ursachen waren vor allem Schwefeleinträge aus den Braunkohlekraftwerken und dem Hausbrand. Mehr als 30 000 Hektar Wald fielen allein im Erzgebirge dem Sauren Regen zum Opfer. Das Waldsterben im Erzgebirge war damals eine der größten Umweltkatastrophen in ganz Mitteleuropa. Schwerpunkte der Rauchschäden waren die Kammlagen zwischen Olbernhau und Altenberg, der Fichtelberg und die Region zwischen Klingenthal und Johanngeorgenstadt.
SMUL

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