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2. Landeswaldinventur in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht

2. Landeswaldinventur in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht

Die Waldfläche in Nordrhein-Westfalen ist in den letzten Jahren trotz der hohen Flächenkonkurrenz anderer Nutzungsarten wie Landwirtschaft, Siedlung und Verkehr leicht angestiegen. Rund 935.000 ha Waldfläche gibt es derzeit in NRW, was etwa 27 % der Landesfläche ausmacht. Dies bestätigen die Ergebnisse der 2. Landeswaldinventur, die das Umweltministerium am 13. Juli 2016 veröffentlicht hat.

Nordrhein-Westfalen gilt im Vergleich zu anderen Bundesländern als eher waldarm. Im bundesweiten Vergleich steht jeder Bürgerin und jedem Bürger – statistisch gesehen – fast drei Mal so viel Wald zur Verfügung wie den Menschen in NRW. „Deshalb wollen wir den Waldanteil in NRW weiter erhöhen“, sagte Johannes Remmel, Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen.
Für die 2. Landeswaldinventur (2014) wurden von sechs Teams an landesweit 9.300 Stichprobenpunkten mehr als 60.000 Bäume vermessen. Im Vergleich zur ersten Landeswaldinventur 1998 wurden allerdings die Erhebungskriterien verändert und der Methodik der dritten Bundeswaldinventur (2012) angepasst. Daher sind die Ergebnisse der beiden Waldinventuren nicht vergleichbar.
„Mit der aktuellen Landeswaldinventur lassen sich auf der Basis statistisch abgesicherter Ergebnisse differenzierte Aussagen für die unterschiedlichen Regionen in Nordrhein-Westfalen treffen“, sagte Inventurleiter Lutz Falkenried vom Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen.
Wichtige Ergebnisse der 2. Landeswaldinventur
•  Waldfläche. In NRW gibt es rund 935.000 ha Wald, was etwa 27 % der Landesfläche insgesamt ausmacht. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 32 %.
•  Regionale Verteilung. Die prozentual größten Waldflächenanteile befinden sich in den Forstämtern „Arnsberger Wald“ (98 %), „Nationalpark Eifel“ (72 %) und „Siegen-Wittgenstein“ (71 %). Die geringsten Waldanteile haben die Forstämter „Niederrhein“ (16 %), „Münsterland“ (17 %) und „Ostwestfalen-Lippe“ (20 %).
•  Eigentumsverhältnisse. Nordrhein-Westfalen ist das Land mit dem höchsten Privatwaldanteil in der Bundesrepublik. Knapp zwei Drittel (63 %) der Waldfläche ist im Eigentum von Privatpersonen. 21 % der Waldfläche ist im Eigentum von Körperschaften wie Städten und Gemeinden und 3 % gehören dem Bund. Der Staatswald des Landes beträgt 13 % der gesamten Waldfläche in Nordrhein-Westfalen.
•  Baumarten. Die Wälder Nordrhein-Westfalens sind durch vier Hauptbaumarten geprägt. Die dominierende Baumart ist weiterhin die Fichte, die auf 252.000 ha Waldfläche wächst, gefolgt von der Rotbuche (160.000 ha), der Eiche (140.000 ha) und der Kiefer (65.000 ha). Der Anteil weiterer Laubbaumarten, wie etwa Birke, Weide, Erle, Kirsche, ist mit 15 % ebenfalls hoch. Die seltensten Baumarten sind Eibe, Wacholder, Schwarzpapel, Flatterulme und Speierling. Insgesamt gibt es mehr Laubbäume (58 %) als Nadelbäume (42 %).
•  Holzvorrat. Der Holzvorrat in den Wäldern NRW beträgt insgesamt 277 Mio. m³ Holz, das sind 318 m³/ha (Bundesdurchschnitt: 336 m³/ha).
•  Alter der Waldbestände. Im Durchschnitt sind die Wälder in NRW 75 Jahre alt. Bestände älter als 140 Jahre sind rar und bestehen fast ausschließlich aus Laubbäumen. Am häufigsten ist die Altersklasse der 40- bis 60-jährigen Bäume. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass nach dem Zweiten Weltkrieg viele Waldbestände erst wieder aufgeforstet werden mussten.
•  Biotopholz. Biotopholz bzw. Totholz bildet wichtige Lebensräume (Mikrohabitate) für Tiere und Pflanzen. Insgesamt gelten 19 Mio. m³ in den nordrhein-westfälischen Wäldern als Totholz, der größte Anteil davon befindet sich im Staatswald des Landes. Der hohe Nadelholzanteil am Totholz (59 %) lässt sich u.a. auf die Auswirkungen des Orkans Kyrill im Januar 2007 zurückführen.
Holz ist wichtiger Wirtschaftsfaktor in NRW
Holz als nachwachsender Rohstoff ist die Basis für eine der größten Wirtschaftsbranchen in Nordrhein-Westfalen. Über alle Stufen der Wertschöpfungskette hinweg, von der Herstellung über die Verarbeitung bis hin zu Holzhandel und Papierwirtschaft, sind in der nordrhein-westfälischen Forst- und Holzwirtschaft rund 214.800 Menschen beschäftigt, bei 20.300 Unternehmen. Im Jahr 2013 erzielten diese Unternehmen nach Aussagen des Thünen-Institutes für Waldökosysteme einen Umsatz von rund 39,74 Mrd. € bei einer Bruttowertschöpfung von mehr als 12 Mrd. €.
„Holz ist ein Wirtschaftsfaktor und einer der wichtigsten nachwachsenden Rohstoffe, den wir in NRW haben. Er ist daher ein wichtiger Pfeiler unserer Umweltwirtschaft, die wir stärken wollen“, sagte Minister Remmel. Zwischen 2009 und 2012 konnte die Umsatzentwicklung in der Branche der Umweltwirtschaft in NRW um 15,6 % gesteigert werden und damit deutlich mehr als die NRW-Wirtschaft insgesamt. „Umweltwirtschaft bedeutet Vorsprung für NRW, und die Holzindustrie ist ein wichtiger Bestandteil dieser Zukunftswirtschaft“, so Remmel.
Wälder bedeuten Artenvielfalt
Gleichzeitig bilden die Wälder in NRW wichtige Lebensräume für die Artenvielfalt. „Der Artenverlust ist neben dem Klimawandel die größte Bedrohung für uns und die Art und Weise, wie wir leben werden“, sagte Minister Remmel.
Insgesamt sind nach der aktuellen Roten Liste der gefährdeten Arten in NRW etwa 45 % der beobachteten Tier- und Pflanzenarten gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Nach Untersuchungen des Landesumweltamtes sind rund 77 % der Lebensräume im Flachland in einem unzureichenden oder schlechten Erhaltungszustand. Remmel: „Unsere Wälder hingegen leisten einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt. Gerade weil sich hier die Arten- und Biotopvielfalt weiter entwickeln kann, müssen wir die Wälder auch aus ökologischen Gründen erhalten.“ Daher will die Landesregierung den Waldanteil an der Landesfläche weiter erhöhen.
 

Landeswaldinventur NRW 2014

 
MKULNV NRW

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