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Begründung und Pflege von Eichenbeständen in der forstlichen Praxis – Eine interviewbasierte Ist-Analyse in der badischen Oberrheinebene

Quelle: Forstarchiv 85; 6, 179-187(2014)
Autor(en): KÜHNE C, JACOB A, GRÄF M

Kurzfassung: In der vorliegenden Studie wurden für das oberrheinische Tiefland Baden-Württembergs Bewirtschaftungsmaßnahmen in Trauben- und Stieleichenwäldern (Quercus petraea [Matt.] Liebl., Q. robur L.) auf der Basis von 16 Experteninterviews evaluiert. Die Gespräche mit den Revierleitern ergaben, dass die Reihenpflanzung mit durchschnittlich knapp unter 4.000 Pflanzen ha-1 das vorrangig zur Anwendung kommende Verfahren bei der Etablierung neuer Eichenbestände ist. Sofern keine großen Heisterpflanzen zum Einsatz kommen, werden Kulturen nahezu ausnahmslos mittels Zäunen oder Wuchshüllen geschützt. Die Hiebsführung in Eichenaltbeständen wird häufig durch vorzeitige Abgänge bestimmt, wodurch überwiegend zufällige Nutzungen stattfinden. Eine planmäßige natürliche Bestandesbegründung erfolgt daher in nur fünf der 16 untersuchten Reviere. Großflächige Schirmhiebe auf Flächen zwischen 1 und 4 ha werden dabei bevorzugt. In jüngerer Zeit gab es jedoch erneut Versuche zur kleinflächig natürlichen Verjüngung in einigen wenigen Revieren. Über direkte Einschränkungen bei der Bewirtschaftung von Eichenwäldern durch naturschutzfachliche Belange berichteten fünf der interviewten Praktiker. Der vielfach hohe Pflegeaufwand in Jungbeständen variiert mit den standörtlichen Voraussetzungen und der damit einhergehenden unterschiedlichen Konkurrenzkraft der variierenden Begleitvegetation. Begründung und Pflege von Eichenbeständen sind trotz neuer bzw. alternativer Verfahren wie der punktuellen Clusterpflanzung sowie der Astung zur früheren Freistellung und Dimensionierung nach wie vor ein aufwendiges und kostspieliges Unterfangen. Eine überwiegende Mehrheit der Interviewpartner wünscht sich daher eine bessere finanzielle Förderung der für den Erhalt und die Begründung von Eichenbeständen erforderlichen waldbaulichen Maßnahmen.


The practice of establishing and tending oak (Qercus petraea [Matt.] Liebl., Q. robur L.) stands – An interview-based study in the eastern Upper Rhine Plain, Germany

Abstract: Regeneration and tending practices in sessile and pedunculate oak (Qercus petraea [Matt.] Liebl., Q. robur L.) stands of the Upper Rhine Plain in Baden-Wuerttemberg, southwestern Germany, were evaluated based on interviews conducted with 16 local forest managers. The interviews revealed that row planting with an average total initial density of close to 4,000 seedlings ha-1 (oaks and trainer trees) is the most common procedure to establish new oak stands in the study area. Plantations are almost always fenced off or protected with growing tubes to avoid substantial browsing damage. Low density plantings (e. g. cluster plantings) using larger oak seedlings (≥ 120 cm in height) and no protection measures are rarely implemented. Only five managers harvest mature oak trees according to specifications given in management plans. Shelterwood cutting of 1 to 4 ha in size was found to be the most commonly applied silvicultural system to regenerate oak stands naturally. However, harvesting in the majority of the investigated forest districts is determined by oak decline related individual tree mortality. Unplanned harvest activities therefore prevail in oak forests of the study area. Restrictive effects from certification programs and the European Habitats Directive on management activities in mature oak stands were reported by 5 managers. Considerable tending efforts vary substantially with site conditions and related competitiveness of accompanying ground vegetation and co-occurring woody species. The large majority of the interviewed managers advocated a revised state funding program that would specifically subsidize the costly forest practices necessary to maintain and increase the area covered by oak forests.

© DLV München

 

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