17.10.2011 | Forsttechnik | Arbeitssicherheit

Hightech aus der Natur

Wolle wird wahrscheinlich schon seit über 5 000 Jahren für die Herstellung von Bekleidung ver­wendet. Und das Hightech-Material aus der Natur ist in vielen Dingen immer noch synthetisch her­gestellten Fasern überlegen.

Aus gewalkter Merinowolle ist diese Jacke gefertigt.
Foto: Hädicke
Wolle hat viele Gesichter. Sie kann versponnen und danach verwoben werden oder sie ist das Ausgangsmaterial von Filz. Zusätzlich können beide Methoden kombiniert werden. Dann entsteht Walk beziehungsweise Loden. Bestechend sind die Eigenschaften von Wolle: Sie isoliert besonders gut, wofür hauptsächlich die zwischen den Fasern enthaltene Luft verantwortlich ist. Außerdem nimmt Wolle bis zu einem Drittel ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit auf, ohne sich feucht anzufühlen und die Feuchtigkeit wird erheblich schneller als bei Baumwolle nach außen abgegeben. Es entsteht ein angenehmes Tragegefühl. Ein weiterer Vorteil ist, dass Wolle schmutz- und wasserabweisend ist. Gerüche, die sich in der Bekleidung festgesetzt haben, verschwinden meist durch einfaches Lüften. Über das Zwiebelprinzip können Gewebe aus Wolle für sämtliche Bekleidungsschichten verwendet werden, von der Unter- bis zur Oberbekleidung, von Kopf bis Fuß, als Hut oder als Isolierung im Stiefel.
 

Von wegen kratzig
 
Unterwäsche aus Wolle von Icebreaker, Pfanner, Woolpower
Funktionsunterwäsche für Arbeit oder Sport besteht in der Regel fast ausschließlich aus Synthetikfasern, wie zum Beispiel Polypropylen. Im Gegensatz zur Baumwolle hat diese Kunstfaser den großen Vorteil, dass sie keine Feuchtigkeit speichert, sondern nach außen abgibt. Der Nachteil: Vor allem bei stark schweißtreibenden Tätigkeiten verströmt man schon nach kurzer Zeit einen recht intensiven Körpergeruch. Nun ist das vielleicht im Wald nicht ganz so schlimm, aber wirklich angenehm ist es auch nicht.

In jüngster Zeit erinnern sich deshalb immer mehr Hersteller an Wolle als Material für funktionelle Unterbekleidung. Dafür kommen jedoch nur ganz besonders feine Garnqualitäten in Frage, alles andere wäre zu kratzig. Trotzdem: Wessen Haut besonders empfindlich auf Wolle reagiert, sollte unserer Erfahrung nach lieber auf eine andere Unterwäsche zurückgreifen.

Der neuseeländische Hersteller Icebreaker kommt eigentlich aus dem Sport-Bereich. Wer selbst bei seiner Unterwäsche auf die Farbe Grün wert legt, findet im Sortiment nur eine kleine Auswahl. Ansonsten gibt es aber eine enorme Vielfalt an Modellen und Materialstärken. Über die Isolations-Eigenschaften gibt bei Icebreaker das Stoffgewicht Auskunft. Es reicht von 150 bis 320 Gramm pro Quadratmeter. Die leichteren Modelle entsprechen in Optik und Haptik einem herkömmlichen T-Shirt, allerdings mit den positiven Eigenschaften von 100 Prozent Wolle. Sie eignen sich als einzige Bekleidungsschicht im Sommer, oder als unterste Lage in Verbindung mit stärker isolierenden Bekleidungsstücken schwererer Qualität.
Icebreaker legt gro-ßen Wert auf eine Rückverfolgbarkeit der Wolle bis hin zu den einzelnen neuseeländischen Schaffarmen. Die Produkte werden fast ausschließlich über den Sportfachhandel vertrieben.

Auch bei Pfanner gibt es seit letztem Jahr Unterwäsche aus Merinowolle beziehungsweise Woll-Mix. Konzipiert wurde sie eher zum Druntertragen, an kühleren Sommertagen kann das kurzärmlige Merino-Shirt aber auch als T-Shirt-Ersatz getragen werden. Zusätzlich sind langärmlige Varianten erhältlich.

Eine eher frotteeähnliche Struktur hat die Bekleidung von Woolpower aus Schweden. Verwendet werden je nach Stoffgewicht verschiedene Merinowolle/Kunstfaser-Mischungen. Die Isolation ist sehr gut, allerdings ist die Optik rustikal. Nach mehreren Wäschen hat der Stoff Knötchen an der Oberseite. Die Shirts sind an der Rückseite ziemlich lang geschnitten. Dies schützt zwar den Rücken gegen Kälte, werden mehrere Schichten getragen, gibt es aber störende Falten.

Die Preise für Unterbekleidung aus Wolle liegen zwischen rund 50 und 100 Euro und sind damit geringfügig höher als die konventionelle Variante.

Fazit: Im Vergleich mit Unterwäsche aus Kunstfaser ist Wolle beziehungsweise Woll-Mix überlegen. Der Feuchtigkeitstransport funktioniert gut, unangenehme Gerüche treten erst nach tagelangem Gebrauch auf.
 

Klassiker neu aufgelegt
 
Sailors Sweater von Andersen & Andersen
Was dabei herauskommt, wenn sich zwei junge Designer einen Klassiker vornehmen, zeigt der Sailors Sweater von Cathrine Lundgren Andersen und Peter Kjaer-Andersen (kurz: Andersen & Andersen) aus Dänemark. Der Pullover aus 100 Prozent Schurwolle hat zwar maritime Wurzeln, laut Produktbeschreibung richtet er sich aber auch an Fischer und Jäger. Für die Forstleute gibt es ihn in grün, alternativ dazu in blau und in schwarz. Ganz im Stile modernen Designs ist er klassisch einfach geschnitten. Auffälligstes Merkmal ist der locker sitzende Kragen, der wahlweise umgeklappt, oder beinahe bis zu den Ohren hochgezogen werden kann. Letzteres bewährt sich besonders bei starkem Wind. Beim Anziehen muss nicht darauf geachtet werden, wo vorne und hinten ist, der Sailors Sweater ist symmetrisch.

Andersen & Andersen konzentrieren sich ausschließlich auf dieses eine Produkt: Doch was so schnörkellos einfach aussieht hat es in sich: In diesem Pullover steckt eine ganze Menge Know-how. Und das merkt man auch. Den Sailors Sweater gibt es im Direktversand. Er kostet 161 Euro inklusive Verpackung und Porto.

Fazit: Ein Wohlfühlpullover für die richtig kalten und windigen Tage, der niemals aus der Mode kommen wird.
 
 
Gewalkt
 
Jacke Wooltec von Pfanner
 
Pfanner aus Hohenems in Vorarlberg ist einerseits dafür bekannt, innovative Materialien einzusetzen, andererseits wird gerne auch eine Verbindung mit Traditionellem geschaffen. Da gilt auch für die Wooltec-Serie, die aus Jacke, Weste und Hose besteht. Wir haben die Jacke ausprobiert. Mit einem Stoff aus gewalkter Merino-Wolle ist das Ausgangsmaterial traditionell. Modern dagegen sind der Schnitt und die Verstärkungen aus Cordura an den Schultern und Ellbogen. Die Jacke trägt sich sehr gut. Sie bietet einen gewissen Schutz gegen Feuchtigkeit und Wind. Wer Bedenken wegen Strahlung durch Mobiltelefone hat: Die entsprechende Brusttasche ist abgeschirmt. Für die Arbeit ist diese Jacke sehr gut geeignet, aber beinahe zu schade. Ihr Preis beträgt 178  Euro.

Fazit: Die Wooltec-Jacke hat das Zeug zum Klassiker. Überzeugend in Form und Funktion.
 
 
Schwedische Schönheit
 
Winterjacke Hunter Jacket von Micklagård, Vertrieb: EVG Sulzberg
Eigentlich bringt man Bekleidung aus Loden eher mit dem Alpenraum in Verbindung. Doch das ist falsch. In vielen Regionen wird der gewalkte Wollstoff traditionell verwendet. So auch in Schweden, wo er Vadmal heißt und ein fester Bestandteil in der Garderobe der Sami ist.
Jan Gullberg betreibt zusammen mit seiner Frau Anette eine kleine Schneiderei in Hagfors. Seine Spezialität: Jagdbekleidung aus Vadmal. Sein Material ist einzigartig. Er konnte exklusiv die Restbestände aus den Magazinen der schwedischen Armee aufkaufen.
Wir haben im letzten Winter das Hunter Jacket getestet, das an die mitteleuropäischen Verhältnisse in Zusammenarbeit mit der EVG in Sulzberg angepasst wurde und von dort auch vertrieben wird.

Unsere Erfahrung: Der Stoff ist wirklich genial. Nach einer kurzen Eintragephase sitzt die dick gefütterte Jacke wie eine zweite Haut. Schnee und Wind können ihr nur wenig anhaben, selbst bei längeren Regenfällen bleibt man dank gedoppelter Schultern trocken. Durch ihren durchdachten Schnitt und die Falten am Rücken trägt sich das Hunter Jacket hervorragend, selbst wenn mehrere Schichten an Bekleidung daruntergezogen werden. Ebenso überzeugt die Gestaltung der verstell- und abnehmbaren Kapuze. Der hohe Kragen wird mit einem Riegel verschlossen.

Besonderer Wert wurde auf die Gestaltung der Taschen gelegt: Vorne sind sie ausreichend groß und verlängern sich an der Innenseite etwas nach unten. So findet man Gegenstände besser. Die Handwärmtaschen sind mit dickem Teddy-Stoff gefüttert. Handschuhe oder die Hundeleine können in einer durchgängigen Tasche an der Rückseite untergebracht werden. Die verschließbare Innentasche ist groß genug, um einen Jagdschein darin sicher zu verstauen.
Per Kordelzug kann die Weite der Jacke reguliert werden. Praktisch ist das besonders, wenn man sitzt.

Für die Abschlüsse und die Abdeckung der Taschen verwendet Micklagård Rentier-Leder, das sehr strapazierfähig und reißfest ist. Angesichts all dessen erscheint uns der Preis von 499 Euro mehr als gerechtfertigt, zumal das Hunter Jacket eine sehr lange Haltbarkeit verspricht.
Neben der grünen Originalfarbe gibt es die Jacke aus schwarz beziehungsweise blau eingefärbtem Stoff. Ebenso ist eine Damen-Variante mit pelzbesetzter Kapuze lieferbar. Auf Sonderwünsche und -größen reagiert die kleine Schneiderei flexibel.

Fazit: Dass diese Jacke ein echtes Lieblingsstück wird, war schon nach wenigen Tagen klar. Die hat sich nach längerem Tragen nur noch verstärkt. Perfekt gearbeitet, mollig warm und: einfach schön.
 
Zum Thema: Service-Bereich Produktmeldungen auf forstpraxis.de

Johannes Hädicke

Fotos und Tabellen zum Artikel
  
Aus gewalkter Merinowolle ist diese Jacke gefertigt.
Wolle ist heute nicht mehr kratzig, höchstens noch bei sehr empfindlicher Haut.
Unterwäsche aus Wolle lässt sich auch wie ein T-Shirt tragen. Vadmal heißt der Stoff, aus dem diese Jacke gefertigt ist, in Schweden. Bei uns würde man sagen Loden.
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