17.10.2011 | Forsttechnik | Arbeitssicherheit

Modisch oder sicher?

In Skandinavien ist es längst Usus: Wer mit oder in der Nähe von Forstmaschinen arbeitet, trägt in der Regel entsprechende Warnschutzbekleidung. Setzt sich dieser Trend in Deutschland fort?

Bei Arbeiten im Straßenbereich ist es überlebenswichtig gut gesehen zu werden, und im Wald?
Foto: werkbild
Unübersichtliches ­Gelände, das Zusammenspiel mit Groß­maschinen und eine allgemein gefährliche Tätigkeit prägen das Arbeitsumfeld im Wald. Da sollte es keine Frage des Geschmacks sein, welche Farbe die Arbeitskleidung hat. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. In beinahe schon missionarischem Auftrag war jahrelang Jörg Hartfiel, bis vor Kurzem Leiter des Fachbereichs „Mensch und Arbeit“ beim Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) unterwegs. Er meint: „Waldarbeiter-Schutzjacken müssen entsprechend erkennbar sein, das heißt, sie müssen gewisse Signalfarbpartien besitzen.“
 
Trotz der Signalfarbe seien sie aber zunächst keine Jacken, die der Normung durch die EN 471 „Warnschutzkleidung“ unterlägen. Wenn dem so wäre, müssten die Jacken komplett in Warnfarbe ausgeführt sein und darüber hinaus Reflexstreifen besitzen. Hartfiel nimmt die Produzenten in die Pflicht: Es kommt darauf an, dass der Hersteller die Konfektionierung und die Anforderungen zur Erkennbarkeit in der Umgebung Wald in Einklang bringt.
 
 
Die Anforderungen sind:  
  • Die Signalfarbflächen der Jacken müssen ein Drittel bis die Hälfte jeweils der Jackenvorderseite und der Jackenrückseite einnehmen. Mehr Signalfläche ist immer wünschenswert.
  • Mindestens die Oberarme sind in Signalfarbe auszuführen. Besser ist es, wenn der ganze Ärmel in Signalfarbe ausgeführt ist, da die Arme die am meisten bewegten Körperteile des Forstwirts sind und sich dies vor allem bei Arbeiten im Bestand deutlich abzeichnet.
  • Die Farbhaltigkeit der Signalfarbpartie muss über die gesamte Einsatzdauer gewährleistet sein. Rasches Ausbleichen führt zu Mängeln in der Erkennbarkeit.
  • Die früher hauptsächlich im europäischen Ausland verwandte Warnfarbe „Gelb“ darf nur in Verbindung mit einer weiteren auffälligen Farbe Anwendung finden. Der Prüfausschuss des KWF entscheidet bei den Prüfsitzungen im Einzelfall über das O.K. bei den Signalfarben von Jacken.
  • Signalfarben von Jacken sollten künftig in Richtung leuchtorange ausgelegt sein. Der Prüfausschuss des KWF stellt fest, dass die in der EN 471 vorgegebenen Farben (zum Beispiel: Warntec orange 20073/3, red 20871/3, RT orange 21975/3, Angaben der Fa. Lauffenmühle) dem Stand der Technik am besten entsprechen und hat beschlossen, künftig nur noch Farben gemäß dieser Norm an Waldarbeiterschutzanzügen zuzulassen.
 
Wie sieht die Praxis aus?
 
Auch wenn Anteil und Farbe der Warnflächen bei den Waldarbeitsanzügen damit klar definiert sind, lassen sich viele Forstwirte eher durch modische Aspekte leiten. Schwarz oder Anthrazit als Grundfarbe machen sich im Forst aber allgemein schlecht, die Kombination Gelb/Rot ist mitunter in herbstlichen Buchenbeständen nicht optimal zu sehen. Am meisten Sicherheit bringen auf jeden Fall Arbeits- oder Schnittschutzanzüge, die der oben genannten EN 471 entsprechen. Für Einsätze an Straßen sind sie ohnehin Pflicht.

Signalgelb ist für den Wald schlechter geeignet als Signal-orange. Ersteres bekommt in der Dämmerung einen Grün-Stich, was die Sichtbarkeit verschlechtert. Zu viele kleine Elemente auf einem Anzug erzeugen einen „Camouflage-Effekt“. Das heißt, die Konturen verschwimmen.

Forstwirte sollen sich optisch keinesfalls Müllwerkern oder den Mitarbeitern von Autobahnmeistereien angleichen. Moderne, hochwertige und modische Waldarbeitsanzüge tragen schließlich auch zu einer größeren Wertschätzung des Berufsstandes bei. Und zwar nach innen und außen. Doch wenn es hilft, Unfälle zu verhindern, zum Beispiel bei Arbeiten in Naturverjüngungen oder beim Fällen in Zusammenarbeit mit einem Harvester, sollten modische Aspekte untergeordnet werden.
 
 
Zum Thema: Service-Bereich Produktmeldungen auf forstpraxis.de

Johannes Hädicke

Fotos und Tabellen zum Artikel
  
Bei Arbeiten im Straßenbereich ist es überlebenswichtig gut gesehen zu werden, und im Wald?
Signalfarben sind in Skandinavien auch bei Maschinenführern Standard.
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