Die Weißtanne, an der der Revierförster lehnt, hat einen Brusthöhendurchmesser von etwa 85 cm. Frank Schmid schätzt das Volumen auf etwa 9 Festmeter.
Foto: Tanja Freytag
Wald spielt im Schwarzwald eine wesentliche Rolle für das Betriebseinkommen. Es gibt bäuerliche Betriebe, die zu 90 % von der Forstwirtschaft leben. Sie bewirtschaften bis zu
180 ha Wald. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass im Mittleren Schwarzwald die Waldbesitzer 75 % des Holzes – ausgerüstet mit Motorsägen und Funkseilwinden – selbst einschlagen. Etwa 50 % des Rundholzes verkaufen sie über ihre Waldbesitzerorganisation: die Forstwirtschaftliche Vereinigung Schwarzwald eG. Die FVS ist der größte private und kommunale forstliche Zusammenschluss in Baden-Württemberg. Jährlich vermarkten die Schwarzwälder 350.000 Fm Rundholz. Damit sind sie ein verlässlicher Partner für die Sägeindustrie. Die Kundenstruktur ist bunt. Viele Gattersäger mit einem Einschnitt von 10.000 bis 50.000 Fm/Jahr gehören zu den Abnehmern. Dahinter steckt die Philosophie vom „Holz der kurzen Wege". Der Radius liegt bei 100 km, wenn man die Geschäftsstelle in Mühlenbach als Mittelpunkt annimmt. Das Sägewerk Echtle in Nordrach kauft, um ein Beispiel zu nennen, astfreies Starkholz: 5 m-Abschnitte mit einem Zopf von mindestens 50 cm. Echtle ist Spezialist für Qualitätsholz aus Tanne und Fichte. 42 Mitarbeiter schneiden pro Jahr 45.000 Fm Holz ein. Der Erfolg des Unternehmens liegt in der hohen Veredelungstiefe: Japanische Totenbrettchen, Massivholzdielen und Fensterkanteln gehören zum Sortiment.
Modernes Leitbild
Die FVS selbst definiert sich als „ein transparent wirtschaftendes, in mehreren Dienstleistungsbereichen tätiges, Wettbewerb suchendes, unabhängiges und wachstumorientiertes Waldbesitzerunternehmen". Jeder Waldbesitzer zahlt einen Grundbeitrag von 5 €/Jahr plus 10 Cent pro Hektar. Im Schnitt hat jedes Mitglied etwa 20 ha Wald. „Das ist eine eher ideelle Finanzierung", sagt der Geschäftsführende Vorstand Joachim Prinzbach. „Wir arbeiten lieber über die abgewickelte Holzmenge." Die FVS behält sich 0,5 bis 1 % je Festmeter Holz ein, je nachdem, welche Dienstleistung der Waldbesitzer in Anspruch nimmt. Neben der Abwicklung des Holzverkaufs im Standard-Modul „Kleine Selbstwerbung" bietet die FVS weitere Betreuungs-Module an. Vom Maschineneinsatz bis hin zur kompletten Übernahme der Waldbewirtschaftung. Für die Holz verarbeitende Industrie bietet die FVS die Übernahme der Logistik an. Joachim Prinzbach fasst zusammen: „Wir sind basisgesteuert. Die Waldbesitzer wollen die ganze Kette vom Wald bis ins Werk besetzen."
Dabei hat die FVS keinen Alleinvermarktungsanspruch und die Waldbesitzer haben keine Andienungspflicht. Durch eine vielfältige Sägerstruktur ist dem einzelnen Waldbesitzer ein Marktzugang möglich. „Bei uns beruht alles auf Freiwilligkeit", sagt Prinzbach. „Es herrscht eine hohe Solidarität, die aus der Windwurfkatastrophe von 1999 resultiert." Der Orkan Lothar hatte am 2. Weihnachtsfeiertag in Baden-Württemberg 30 Mio. Festmeter Holz geworfen. Das entsprach dem dreifachen Jahreseinschlag. Allein im Ortenaukreis sind 6.000 ha Wald gefallen. Das waren 7 Prozent der Waldfläche.
Vor Lothar stockte am 875 m hohen Mooskopf ein wüchsiger Fichten/Tannen-Altbestand. Nach dem Sturm konnte Förster Josef Nolle nur noch die vorhandene Tannen-Naturverjüngung übernehmen. Vorwälder aus Birke und Eberesche sorgten für den nötigen Bestandesschluss.
Demokratische Gesellschaftsform
Seit einem Jahr hat die FVS die Rechtsform einer eingetragenen Genossenschaft. Diese Rechtsform hat einige Vorteile:
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Die eingetragene Genossenschaft (eG) ist allein und ausschließlich verpflichtet, die Interessen ihrer Mitglieder zu fördern,
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jedes Mitglied hat eine Stimme, unabhängig von der Höhe der Kapitalbeteiligung,
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Aufnahme und Ausscheiden von Mitgliedern ist problemlos möglich,
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eine staatliche Förderung ist möglich,
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eine Ergebnisrücklage ist möglich, zusätzlich ist eine Gewinnausschüttung als Mobilisierungsprämie an die Mitglieder möglich,
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die eG wird durch einen Aufsichtsrat kontrolliert
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und vom Genossenschaftsverband geprüft,
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strukturelle Veränderungen sind nur mit einer Dreiviertel-Mehrheit möglich.
Dicht bewaldet
Im Mittleren Schwarzwald stocken überaus wüchsige Waldbestände. Insgesamt wächst in Baden-Württemberg innerhalb von 2 Sekunden ein Festmeter Holz nach. Die Mischbestände an den Westhängen des Mittelgebirges haben einen jährlichen Zuwachs von 10 bis 15 Fm. Der Hiebsatz liegt bei etwa 10 Fm/Jahr.
Im Forstrevier Schapbach ist einer der wertvollsten Bestände Deutschlands zu sehen: Ein Plenterwald mit einer Mischung aus Tanne, Fichte und 5 % Buche. Auf 850 ha werden jährlich 9.000 Fm Holz geschlagen. Waldbauliches Ziel von Revierleiter Frank Schmid: „Jede Baumart soll in jedem Alter vorhanden sein." Zur Gruppe der höchsten Altersklasse zählen 5 bis 6 Bäume pro Hektar. Sie haben einen Brusthöhendurchmesser (BHD) von 80 bis 120 Zentimetern und im Schnitt eine Höhe von 40 Metern. Erwartetes Holzvolumen allein dieser Bäume: Mehr als 50 Fm.
Herbert Heine, Revierleiter in Fischerbach, betreut einen 90-jährigen Fichten/Douglasien-Bestand auf einer Höhe von 350 bis 450 m über dem Meeresspiegel. Der Anteil der Douglasie liegt bei 15 %. Laut Einrichtungswerk hat der Bestand 700 Vorratsfestmeter. Der durchschnittliche Gesamtzuwachs liegt bei 18 Fm/Jahr und Hektar. „Die Douglasie hat mehr", sagt Heine. Bis zu 8 mm starke Jahrringe hat die Douglasie - wenn sie frei steht. Furnierkäufer tolerieren aber nur 5 mm. „Deshalb muss die Durchforstung dezent ausfallen", wie Heine sagt. „Wir müssen hier deckeln, damit die Jahrringdichte im Rahmen bleibt." Bei erbrachtem Ästungsnachweis können Preise von 160 €/Fm erzielt werden.
Die Förster der Unteren Forstbehörden beraten die Waldbesitzer. Für Dienstleistungen wie beispielsweise „Holz aufmessen" zahlt der Waldbesitzer Gebühren. Die Abrechnung der Entgelte läuft nicht über die FVS, diese zahlt der Waldbesitzer direkt. Sie belaufen sich auf etwa 2 bis 3 € pro Festmeter. In Baden-Württemberg sind die Forstämter als Einheitsforstämter bei den Landratsämtern eingerichtet. Diese bieten parallel zur Organisation der Waldbesitzer auch eine Holzvermarktung an. Peter Wälde, Vorstandsvorsitzender der FVS, sagt dazu: „Die Holzvermarktung ist Sache des Eigentümers und nicht Sache einer Verwaltung."