Redaktion
04.08.2010 | Waldkunde | Waldschutz

Russland brennt

Während weite Teile Russlands unter einer anhaltenden Hitzewelle mit Temperaturen nahe 40° C stöhnen, wüten Hunderte von Waldbränden rund um Moskau und im russischen Osten. Mindestens 48 Menschen starben, über 700.000 Hektar Wald- und Moorflächen sollen in Flammen stehen. Meteorologen rechnen erst in der kommenden Woche mit Abkühlung und Regen.

Waldbrand (Symbolbild)
Foto: United States Department of Agriculture (Public Domain)

Anhaltende Hitze und vermutlich menschliches Fehlverhalten haben in Russland Hunderte Wald- und Moorbrände ausgelöst, die sich zunehmend auch in die Torfböden hineinfressen und dort mangels Sauerstoff zu Schwelbränden führen. Laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti sind über 1.900 Häuser abgebrannt, zahlreiche Dörfer wurden von den Flammen völlig vernichtet und mindestens 48 Menschen kamen um. In Moskau liegen beißende Rauchschwaden in der Luft. Meteorologen rechnen erst in der kommenden Woche damit, dass Abkühlung und Regen der Hitzewelle mit Temperaturen nahe 40° C ein Ende bereiten. 170.000 Menschen sind laut der Agentur im Einsatz, dazu 27.000 Löschfahrzeuge und 40 Flugzeuge und Hubschrauber.
 
Die Tagesschau spricht inklusive Militär und freiwilligen Helfern von 300.000 Einsatzkräften; Russland akzeptiere inzwischen auch internationale Hilfe im Kampf gegen die Flammen. Eine Fläche doppelt so groß wie Mallorca, mithin über 720.000 Hektar, sind demnach mittlerweile von den Feuern verwüstet worden. Kritiker werfen der Regierung laut Tagesschau vor, die Abschaffung von 70.000 Waldhütern durch den damaligen Präsidenten Putin in den Jahren 2006/2007 sei ein Fehler gewesen. Auch seien die Vorschriften zum Waldschutz aus wirtschaftlichen Interessen gelockert worden.
 
Der WWF macht in einer Pressemitteilung Übernutzung, Kahlschläge und illegale Einschläge mit nachfolgender Versteppung für die Brandkatastrophe verantwortlich. Auch die flächige Trockenlegung von Sümpfen und der Torfabbau zwecks Gewinnung von Brennstoff und Export von Gartenerde wird angeführt: Die ausgetrockneten Torfflächen, einmal in Brand geraten, seien kaum mehr zu löschen. Über 10 % der Fläche Westrusslands war laut Tagesschau früher Sumpfland und wurde in den letzten 100 Jahren für Land- oder Forstwirtschaft umgenutzt. Diese Flächen hätten längst renaturiert sein sollen, werfen Experten der russischen Regierung vor.

Red.

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