Professionell im Bauernwald unterwegs
Anstatt teurer Spezialmaschinen sind bei Privatwaldbesitzern heute eher flexibel einsetzbare Universalmaschinen gefragt. Eine Alternative für den gelegentlichen Holz-Rückeeinsatz sind beispielsweise Rückewagen für landwirtschaftliche Schlepper. Wir erklären, worauf es beim Kauf ankommt.
Wendig und flexibel einsetzbar - im Bauernwald spielen Rückewagen (hier Mowi) ihre Stärken aus.
Foto: Landpixel
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Allen Sicherheitskriterien standhalten
Doch was sollte man beim Kauf eines Rückewagens beachten? Welche potenziellen Schwachstellen gibt es, besonders vor dem Hintergrund, dass die Wagen im Forst-Dauereinsatz im Vergleich zum gelegentlichen Bauernwaldeinsatz härteren Belastungen ausgesetzt sind? Gemeinsam mit dem Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) in Groß-Umstadt, das uns bei diesen Recherchen unterstützt hat, haben wir einige wichtige Punkte für Sie zusammengestellt.
Zunächst einmal: Nicht jeder Rückewagen, der angeboten wird, ist auch tatsächlich für den Profieinsatz tauglich. Bei einem Messerundgang stellte das KWF fest, dass 80 (!) Prozent aller auf dem Markt befindlichen Rückewagen sicherheitstechnische Mängel haben. Dass KWF empfiehlt daher, nur Modelle mit bestandener FPA-Prüfung zu erwerben. Diese Prüfung beinhaltet eine sicherheitstechnische Prüfung, die alle relevanten Punkte berücksichtigt.
Zu nennen sind hier die Kransteuerung, die Standsicherheit, die Hubmomente sowie die Dimensionierung der Reifen und Räder. Auch auf die Ladegitterabmessungen und -festigkeit muss geachtet werden: Die Konturen sollen dabei die gleichen sein wie die der Rungen, empfiehlt das KWF. Und die Höhe des Ladegitters muss mindestens gleich - eher etwas höher - sein. Der Kran schließlich muss von einem sicheren Stand aus zu bedienen sein. Für eine höhere Geländegängigkeit sollte eine Knickdeichsel vorhanden sein, so der Rat des KWF.
Stichwort Bremsen: Neben den Druckluftbremsen gibt es hydraulische und mechanische Systeme. Das KWF empfiehlt: Der Rückewagen sollte eine Druckluftbremsanlage haben. Mit hydraulischen Bremsen ist das Fahren auf öffentlichen Straßen ohnehin nur eingeschränkt gestattet. Der Privatmann sollte zudem beachten, dass sich die Zulassung nach StVZO auch auf die Zuladung bezieht. Sonst könnte es beispielsweise Probleme beim Transport von Brennholz über Straßen geben.
Zusatzerklärung schützt vor Überraschungen
Stichwort Zulassung: Die Betriebserlaubnis der Rückeanhänger wird zumeist als Einzelbetriebserlaubnis erteilt. Dabei wird von der Zulassungsstelle auch die zulässige maximale Geschwindigkeit auf öffentlichen Straßen festgelegt. Dabei werden nach KWF-Angaben die land- oder forstwirtschaftlichen Einsatzverhältnisse auf gewohnte Weise (z.B. bezüglich Zulassungsfreiheit) berücksichtigt.
Unter der Voraussetzung, dass die technische Ausstattung des Anhängers ausreichend ist, sind Geschwindigkeiten von über 25 km/h auf öffentlichen Straßen prinzipiell möglich. Käufer sollten aber – allein schon aus Arbeitsschutzgründen – dabei auf eine gute Bremsanlage des Anhängers achten.
FPA-Prüfung schön und gut. Da sich aber bislang nur wenige Rückewagenhersteller dieser Prüfung unterzogen haben (bislang ausschließlich Pfanzelt) wird die Auswahl leider recht klein. Und andererseits ist nicht jeder nicht FPA-geprüfte Rückewagen für den Profieinsatz untauglich. Käufer sollten sich jedoch eine schriftliche Erklärung geben lassen, dass der Rückewagen alle sicherheits-technischen Kriterien erfüllt. Außerdem empfiehlt sich nach KWF-Angaben, im Kaufvertrag den Zusatz aufzunehmen, dass alle nicht erfüllten Kriterien kostenlos nachgerüstet werden. Eine anschließende Sicherheitsprüfung durch die Berufsgenossenschaften oder das KWF könnte diese eventuellen Mängel dann leicht aufzeigen.
Angepasste Schlepperleistung
Die Kranarbeit unterscheidet sich beim Rückewageneinsatz im Vergleich zum Rückezug: Während beim Rückezug das Holz direkt gegriffen und gehoben wird, wird beim Rückewageneinsatz wegen der meist schwächer ausgestatteten Kräne das Holz mit dem Greifer herangezogen und dann nahe am Rückewagen erst gehoben. Bei den Herstellerangaben bezüglich der Kranleistung sollte man berücksichtigen, dass – bei voller Kranausfahrung – das zu hebende Gewicht noch um das Gewicht des Rotators und Greifers reduziert werden muss.
In der Regel ist der Kran am Rückewagen angebaut und kann entweder wetterunabhängig von der Kabine aus oder vom sicheren Stand neben dem Rückewagen bedient werden. Daneben gibt es aber auch Systeme, bei denen der Kran direkt am Schlepper montiert und der Rückewagen somit „kranlos“ und dementsprechend leichter ist. Die Vor- und Nachteile richten sich nach der übrigen Einsatzart der Zugmaschine: Wird der Schlepper neben den Rückearbeiten überwiegend für Transportfahrten etc. eingesetzt, ist der aufgebaute Kran eher hinderlich und bindet unnötig Eigengewicht. Wird der Schlepper hingegen viel für andere Kranarbeiten eingesetzt, kann dieses System durchaus vorteilhaft sein.
Während der Kranarbeit können die Rückewagen bei den meisten Modellen mit zwei Beinen auf dem Boden abgestützt werden. In jedem Fall, so empfiehlt das KWF, sollte der Schlepper mindestens 80 PS besitzen, um einen kleinen Rückewagen zu bewegen. Die Faustzahl „10 PS pro Tonne Nutzlast“ kann das KWF nicht gelten lassen – eher seien es „10 kW pro Tonne Nutzlast“. Insgesamt kommt es aber auch hier entscheidend auf den Schlepper an, der den Rückewagen ziehen soll.
Bei der Bereifung die richtige Wahl treffen
Fast alle Rückewagenmodelle sind mit Vier-Rad-Bogie-Fahrwerken ausgestattet. Unternehmen sollten beim Kauf eines Rückewagens darauf achten, dass der Durchmesser der Reifen möglichst groß ist. 15 bis 22 Zoll sollten es im Hinblick auf die Geländegängigkeit schon sein. Im Bezug auf die Reifenbreite sind aus Sicht des KWF 500er die richtige Wahl. Für den Reifendruck hingegen gebe es keine besonderen Anforderungen, denn dieser richte sich in erster Linie nach der Tragfähigkeit. Ein eigener Antrieb am Rückewagen hingegen sollte im Profieinsatz nicht fehlen. Diese als „Reifenrad“ bezeichneten Antriebe nutzen dabei zumeist den Kraftübertragungsweg Schlepperhydraulik - Anhängerhydraulikmotor - Anhängerreifenrad - Anhängerreifen. Die Reifenräder greifen in das entsprechend ausgelegte Reifenprofil ein. Die Antriebsgeschwindigkeiten beschränken sich bei dieser Antriebsart jedoch auf maximal 5 km/h.
So groß die Bandbreite bei den Rückewagen, so groß ist auch die Schwankung bei Qualität und Preisen. Auffälliges Unterscheidungsmerkmal ist dabei auch, ob die Rückewagenkonsole aus einem Zentralrohr oder einem Leiterholm besteht. Nach Aussagen des KWF sind jedoch bei beiden Systemen noch keine Vor- oder Nachteile bekannt. Dieser Unterschied sei rein konstruktionsbedingt.
Einen guten Überblick über das Angebot am Rückewagenmarkt gibt die „Marktübersicht Rückewagen“ des KWF (Stand: 2005), die auf der Homepage (www.kwf-online.de) zum Download bereitsteht und Modelle von 18 Anbietern auflistet. Für die kommenden Monate plant das KWF eine Neuauflage der Marktübersicht.
Christian Mühlhausen

































