Redaktion
12.12.2011 | Forsttechnik | Kulturen

Mastjahr: Was tun mit dem Überfluss?

Im Wald gab es in diesem Jahr wieder reichlich Früchte. Lesen Sie die Hinweise unseres Experten, wie Sie mit herabgefallenen Samen die eigenen Bestände verjüngen können.

Ein spezieller Scheibenpflug sorgt dafür, dass die Bucheckern direkt auf den Mineralboden gelangen.
Die Buche fruktifiziert je nach Jahreswitterungsverlauf in unterschiedlichem Maß. Bei einer „Vollmast“ blühen ca. 60 bis 80 % der Bäume und tragen dann auch fruchtbare Samen. Doch nicht alle Bestände eignen sich zur natürlichen Verjüngung. So sollten genetisch schlecht veranlagte Buchen ausgeschlossen werden.

Gut geeignet sind Buchenbestände ab einem Alter von 100, die nicht zu stark vergrast sind, sowie Mischbestände. Folgende Verjüngungstechniken unter dem Schirm des Altbestandes kommen in Frage:

a.    Schlagweise Verjüngung (früher Großschirmschlag), Größe: ca. 1 bis 2 ha;

b.    Gruppen- bis horstweise Verjüngung (Femelsschläge), Größe: 0,2 bis 0,4 ha;

c.    Saumverjüngungen (Kahlhieb bzw. Schirmhieb auf schmalem Saum v. Ost/Nord)

Eine Kombination solcher Verfahren ergibt unterschiedliche Lichtverhältnisse und somit auch eine Möglichkeit der Verjüngung verschiedener Baumarten mit unterschiedlichen Lichtansprüchen. Die Verjüngungsplanung sollte nicht auf die Buche beschränkt bleiben. Im Hinblick auf klimatische Veränderungen, Bestandesstabilität, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sind Mischbestände wünschenswert. Ein Anteil des Altholzes ist in jedem Fall zu erhalten und begünstigt die Keimfähigkeit, das Jugendwachstum der Schattenbaumart Buche und eventuelle Nachverjüngungen.

Ablaufplan für die Buchen-Naturverjüngung:
  • Vorbereitungshiebe 2 bis 3 Jahre vor der zu erwartenden „Mast“. Ziele: den Bestand „entrümpeln“, schlecht geformte Bäume entnehmen, Wärme an den Boden bringen, z. B. zur Humusumsetzung, Belichtung der Krone, Intensivieren und so Bäume zur Fruchtbildung anregen. Die Bestandeserschließung wird mit Hiebs- und Rückegassen eingeplant.
  • Bodenverwundung im September des erwarteten Mastjahres (vor dem Samenabfall) mit speziellem Scheibenpflug (s. Foto). Mineralboden wird dabei streifenweise freigelegt. Folge: Die Bucheckern fallen auf den Mineralboden und sind dort nach dem Laubabfall besser gegen Pilzinfektionen, Frost, Mäuse und Vögel geschützt.
  • Sogenannter Samenhieb im November. Dabei deutliches Absenken der Stückzahl der Altbäume. Entnommen werden nochmals schlecht geformte, je nach Marktlage ggf. aber auch gute Erntebäume. Im Zuge des Samenhiebes kann auch eine Grobasträumung z.B. für Energiehackschnitzel erfolgen. Durch die Erntemaßnahmen werden die Bucheckern in den Boden eingearbeitet.
  • Gegebenenfalls Schutz der Flächen gegen Wildverbiss und Kontrollen in Bezug auf Gefahren durch Vergrasung, Brombeerwuchs und Mäusefraß.
  • Lichtungshiebe erst nach 4 bis 6 Jahren. Sie werden durch die Beschaffenheit der Verjüngung aber auch den Holzmarkt beeinflusst.
Die Buchen-Naturverjüngung gewährleistet standortangepasste Baumarten. Die hohe Pflanzenzahl pro m² stellt einen guten Engstand im Jugendwachstum sicher. Dadurch wird die natürliche Astreinigung und ein hohes Selektionspotenzial für gute Stammholzqualitäten erzielt.
Gegenüber der Pflanzung ergibt sich eine deutlich höhere Wirtschaftlichkeit, weil die Naturverjüngung nur rund ein Drittel der Kosten verursacht. Die natürliche Differenzierung des Jungwuchses und der lange Nutzungszeitraum des Altbestandes sind weitere Vorteile.

Durch den Schirmbestand ist ein dauerhafter Verdunstungsschutz für den Boden gegeben; dieses kann auch aus Wasserschutzgründen notwendig sein. Mischbaumarten wie Edellaubhölzer bzw. Nadelhölzer lassen sich flexibel auf Kleinflächen nachpflanzen oder gleichzeitig natürlich verjüngen. Kleinflächige Verjüngungen oder Verjüngungsansätze eignen sich besser für „Einsteiger“ in diese Waldbautechnik; sie können mit sogenannten Weisergattern auf kleinen Flächen erprobt werden.
 

Theo Otten, Bezirksförsterei Hilter, Forstamt Weser-Ems

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