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15.07.2011 | Forsttechnik | Holztransport

Die greifen kräftig und ausdauernd zu

Ladekrane sind im Wald vielseitig und flexibel einsetzbar. Ist ihr Ausleger lang genug, können sie teilweise sogar die Seilwinde ersetzen, selbst am Hang. Das spart Zeit und erhöht die Produktivität.

Obenliegende Zylinder und eine saubere Schlauchverlegung ersparen Ärger somit auch Geld. Foto: Fliegl
Doch sollte man einiges über derartige Krane wissen, um das richtige Modell für die eigenen Zwecke auszuwählen. L adekrane sind als Dreipunkt-Anbaumodul für den Schlepper, als fester Bestandteil des Forstschleppers oder als fest verbauter Ladekran auf Rückeanhängern erhältlich.
 
 
Ausdauernde Leistung gefragt
 
Sie bestehen aus dem Schwenkwerk mit der Säule in unterschiedlicher Bauhöhe, dem Hauptarm und dem Knickarm. Der Knickarm ist in der Regel als Einfach- oder Doppelteleskoparm ausgeführt, was einerseits die Reichweite erhöht, aber im Nahbereich trotzdem hohe Beweglichkeit sichert. Am Ende des Knickarms ist der Rotator montiert. Er ermöglicht das Drehen des mit ihm verbundenen Greifers in alle Richtungen. 
Forstkrane mit Werkzeug unterliegen sehr viel höheren Belastungen - müssen also deutlich mehr Hübe schaffen - als beispielsweise so genannte Stückgutkrane mit Lasthaken, wie sie auf Lastwagen für den Baustofftransport zu finden sind, und die lediglich 20 bis 50 Hübe am Tag tätigen. Zudem lassen sich mit dem Forstkrantyp erheblich schnellere Bewegungen durchführen als mit den langsameren Stückgutkranen. Daher unterliegen Forstkrane - auch weil sie die Last im Zug oder beim Laden manipulieren - der höheren Beanspruchungsgruppe B4 aus der Normgruppe B 1 bis B 6. Sie müssen in der Mindestanforderung 200.000 Lastwechsel mit Maximallast überstehen.
 
 
Achtung: Hakenbetrieb verboten!
 
Doch es gibt noch einen Unterschied zwischen diesen beiden Krantypen: Für schnelle Arbeitskrane mit Werkzeug ohne Überwachungseinrichtung ist ein so genannter Hakenbetrieb verboten. Das heißt, man kann nicht mal eben die mobile Betankungsanlage abladen. Der Grund liegt in der Ausfallsicherung bei Überlast oder beim Bruch einer Hydraulikleitung: Stückgutkrane sind mit einer elektronischen Überlastsicherung ausgestattet. Ist das Maximum erreicht, schaltet der Kran in der Weise ab, dass nur noch Last vermindernde Bewegungen ausführbar sind, also das Zurückziehen des Auslegers oder das kontrollierte Absenken. Bricht die Hydraulikleitung oder ist das maximale Hubmoment erreicht, stoppt die Last sofort.
Beim Forstkran hingegen könnte das ruckartige Abbremsen der schweren Last dazu führen, dass der Schlepper oder Rückeanhänger umschlägt. Deswegen dürfen in Forstkranen keine Schlauchbruchventile verbaut werden. Daher senkt dieser Krantyp durch sein Überdruckventil das Holz beim Erreichen der maximalen Tragfähigkeit unkontrolliert ab. Dem macht das nichts, aber beispielsweise ein in der Nähe der Last stehende Person könnte durch das unkontrollierte Absenken gefährdet werden. Daher das Verbot des Hakenbetriebes.
 
 
Auswahlkriterien: Reichweite und Hubkraft
 
Zwei wichtige Kriterien für die Auswahl eines Kranes sind seine Reichweite und seine Hubkraft, denn beide stehen in engem Zusammenhang. Um verschiedene Anbieter und deren Modelle vergleichen zu können, ist ihren Prospekten der so genannte Tonnenmeter-Wert zu entnehmen. Er bedeutet, bei welcher horizontalen Auslegung kann der Kran eine Tonne Last heben. So ist beispielsweise ein 3,5 Tonnenmeter-Kran in der Lage, in 3,5 Meter Abstand von der Säule ein maximales Hubmoment von 1.000 daN (Dekanewton = 0,1 Newton) zu erzeugen. Hierbei handelt es sich stets um das Netto-Hubmoment. Das oft angegebene Brutto-Hubmoment ist ein rein rechnerischer Wert, der das Kranauslegergewicht nicht einbezieht. Außerdem sind das Gewicht von Greifer, Rotator und Pendelgelenk in den Hubdiagrammen nicht berücksichtigt, da es ausrüstungsspezifisch je nach Bedarf variiert. Der Grund liegt darin, dass sich der Käufer diese Komponenten selbst zusammenstellen kann und sie nicht unbedingt vom Kranhersteller stammen müssen. Diese Anbauteile können zusammen bis zu mehrere hundert Kilogramm wiegen und die Hubkraft des Kranes insgesamt verringern. Ihr Gewicht ist daher von dem Tonnenmeter-Wert abzuziehen.
 
 
Die Hubkraft schwindet ungleichmäßig
 
Es ist zudem ein Irrtum zu glauben, die Hubkraft nehme mit zunehmender Entfernung der Kranzange vom Schwenkwerk gleichmäßig ab. Hier greifen die Gesetze der Kinematik, also der Lehre der Bewegung von Körpern im Raum. Je nachdem, wie der Hauptarm und der Knickarm zueinander stehen und bewegt werden, entstehen unterschiedlich lange Hebelarme. Dadurch kann sich die Hubkraft erheblich verringern, aber auch wieder zunehmen. Dasselbe Ungleichverhältnis gilt bei der Hubhöhe. Auch hier verändert sich das maximale Hubmoment mit der Hubhöhe. Generell gilt, dass der Hauptarm-Hydraulikzylinder der stärkere ist, verglichen mit dem Knickarmzylinder.
 
Anders als bei Stückgutkranen ist bei Forstkranen die Hubkraft bei maximaler Reichweite von nachrangiger Bedeutung, weil das Holz über den Boden schleift und nur teilweise angehoben ist. Hier ist wichtig, welche Kraft das Teleskop beim Einfahren aufzubringen vermag. Der eigentlich vollständige Hubvorgang das Ladens geschieht nahe am Rückeanhänger oder Tragschlepper, wenn der Hebelarm ohnehin wieder ein günstigeres Verhältnis bezüglich der Hubkraft hat.
 
 
Stützen sorgen für Standfestigkeit
 
Das Hubmoment wiederum wirkt sich stark auf die Standfestigkeit des Fahrzeuges aus. Bei einem Schlepper mit Kran ohne Abstützung bleibt sie immer gleich, wobei ein hohes Eigengewicht ein hohes Kranhubmoment zulässt. Beim Rückeanhänger gilt: Je voller er ist, desto höher die Standfestigkeit. Zwar wäre es im täglichen Betrieb wünschenswert, wenn sich die Hubkraft der zunehmenden Standfestigkeit anpasste. Doch die dafür notwendigen Sensoren würden zu einer erheblichen Verteuerung des Kransystems führen. Daher ist die geringste Standfestigkeit der entscheidende Wert für die maximale Hubkraft, die fahrzeugspezifisch einzustellen ist. Dies geschieht durch Fachleute vor der ersten Inbetriebnahme und muss von einem Kransachverständigen abgenommen werden.
 
Für einen sicheren Stand sorgen vor allem die Stützen. Sie können als Flap-Down-Systeme vorhanden sein und klappen einfach seitlich aus. Da sie dabei aber viel Platz benötigen, kann das im engen Forstweg, am Hang oder direkt neben einem Polter zu Problemen führen. Daher sind auch so genannte A-Säulen-Abstützungen zu finden, die schräg seitlich nach unten ausfahren. Daneben gibt es noch Doppelteleskop-Abstützungen: Sie sehen aus wie der Buchstabe H und fahren sowohl seitlich als auch senkrecht nach untern aus. Generell sind geführte Stahlrohr-Stützen von Vorteil: Sie haben innen liegende Hydraulikzylinder, die so vor Beschädigungen sicher geschützt sind und dem Ein- und Ausfahren der Stützen dienen. Zudem liegen die Verwindungen im Wesentlichen auf den Metallstützen und nicht auf den Hydraulikzylindern. Dies ist von Vorteil vor allem bei den unvermeidbaren seitlichen Rüttelbewegungen während der Kranarbeit: denn die belasten vor allem die Dichtungen, Führungen und Chromoberflächen ungeschützter Hydraulikzylinder, weil sie auch die gesamte Abstützung übernehmen müssen. Hydrauliköl mit hohem Durchfluss Die Versorgung des Krans mit Hydrauliköl ist ebenfalls ein wichtiger Punkt. Dies kann entweder der Schlepper oder die bordeigene Kranhydraulik leisten.
Wichtig ist, dass sie den benötigten Druck liefert und ein Fördervolumen von wenigstens 25 Liter pro Minute bei kleinen Kranen hat. Dies beides sollte bereits bei einer Schlepperdrehzahl von einem Drittel bis der Hälfte der maximalen Motordrehzahl gegeben sein. Deswegen sollten Bordhydrauliksysteme hohe Förderleistungen von 80 bis 120 Litern erzeugen, um den Betrieb mit niedrigen Schlepperdrehzahlen zu ermöglichen. Wird direkt die Schlepperhydraulik genutzt, ist darauf zu achten, dass stets gleichartiges Hydraulköl im Kran und im Schlepper verwendet wird. Denn ein Vermischen von Ölen mit unterschiedlichen Eigenschaften ist unbedingt zu vermeiden: Vor allem bei Schleppern mit gemeinsamen Ölhaushalten und Nassbremssystemen kann dies zu erheblichen Problemen führen. Viele Kranbetreiber bevorzugen Rückeanhänger mit einer eigenen Bordhydraulik, angetrieben von einer Gelenkwelle. Hierbei sind alle Hydraulikkomponenten speziell dem jeweiligen Kran angepasst und sorgen so für die optimale Hubkraft.
 
 
Geschützte Hydraulikkomponenten
 
Den Hauptarm bewegt entweder ein stehender oder ein ziehender Hydraulikzylinder. Während der stehende im Gefahrenbereich zum Holz montiert ist, ist sein ziehendes Gegenstück oberhalb des Kranarmes und damit vergleichsweise sicher vor Beschädigungen installiert. Aus dem gleichen Grund sollte die Schlauchverlegung möglichst innen liegend ausgeführt sein. Das gilt auch für die Hydraulikzylinder der Teleskope des Knickarms: Je mehr Bauteile nach innen verlegt sind, desto geschützter sind sie. Von Vorteil ist ein so genanntes Eilgangventil: Es erlaubt das schnelle Ausfahren des Teleskops, was wiederum die Produktivität erhöht. Mit den kritischsten Bereich stellt die Verlegung der Hydraulikschläuche zum Rotator und zur Zange dar, denn sie sind am stärksten gefährdet. Auch das Schwenkwerk verdient einen prüfenden Blick. Es sollte über ein hohes Drehmoment verfügen, um auch beim Laden am Hang oder in Schrägen genügend Kraft zum Schwenken zu haben. Meistens besteht es aus zwei Zahnstangen, die auf beiden Seiten der Schwenkwerkssäule in einen Zahnkranz eingreifen und hydraulisch angesteuert die Drehbewegung erzeugen. Zwei Lager halten die Säule in der Senkrechten und nehmen die enormen Kräfte auf. Sie sollten weit voneinander entfernt montiert sein, um ein möglichst geringes Kippmoment zu gewährleisten.
Optimal arbeiten die Zahnstangen und das untere Lager im wartungsfreien Ölbad, was bei eher geringer Nutzung des Kranes auch Korrosion vorbeugt. Das obere Lager ist regelmäßig abzuschmieren. Da die Maschinenrichtlinie vorschreibt, dass ein Kran den Fahrerstandplatz nicht treffen darf, ist der Schwenkbereich oftmals auf 270 Grad begrenzt. Dies besonders dann, wenn der Steuerstand auf der Deichsel des Rückeanhängers installiert ist.
Bei der Arbeit aus dem Schlepper heraus ist eine 360-Grad-Drehung zulässig, da hier die Kabine den Fahrer schützt. Die Kransteuerung kann elektromechanisch oder elektrohydraulisch ausgelegt sein und erfolgt über Kabel, Funk oder mit Joysticks, je nach Modell und optionaler Ausstattung.
 
 
Genial: Die Kniehebel- Umlenkung
 
Die Gelenkverbindungen von Haupt- und Knickarm sind von entscheidender Bedeutung für den späteren Einsatz: Sind sie an ihren Enden direkt miteinander verbunden, lassen sie sich nicht völlig aneinanderklappen. Das kann aber notwendig werden, wenn beispielsweise Kurzmaterial oder Papierholz ganz nah ans Stirngatter des Rückeanhängers geladen werden soll. Daher verfügen viele Modelle über eine so genannte Kniehebel-Umlenkung, die dieses Problem aus der Welt schafft. Die verwendeten Zangen müssen zum späteren Einsatzzweck passen. Geschlossene Greifer sind das richtige Werkzeug für Stammholz. Allerdings ist auf die erforderliche Öffnungsweite zu achten, je nach Holzart und -stärke. Vier-Finger-Greifer hingegen sind gut geeignet für Hackmaterial, das auf der Erde liegt. Denn im Gegensatz zur geschlossenen Version können sie keine Erde, Steine und Ähnliches versehentlich mitnehmen, was den Häcksler bei der Weiterverarbeitung beschädigen würde. Bei allen Kranen ist eine Erstabnahme durch einen Sachverständigen vorgeschrieben. Damit ist gleichzeitig auch die erforderliche Standfestigkeit des Schleppers oder Rückeanhängers geprüft und dokumentiert. Vorgeschrieben ist die jährliche Nachprüfung durch einen Sachkundigen.
Ein Aufkleber auf dem Kran erinnert den Nutzer an die nächste erforderliche Prüfung. Die Erstabnahme und die Nachprüfungen sind in einem Prüfbuch zu dokumentieren. Forstkrane sind zu unentbehrlichen Helfern im Wald, aber auch in der Landschaftspflege und auf dem Feld geworden. Aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten, Abmessungen, Hubkräfte, Längen und Bauartunterschiede lohnt es sich, vor dem Kauf sehr genau hinzuschauen, nach welcher Norm und für welchen Einsatz ein Kran angeboten wird. Auch ein Kundendienststützpunkt des Anbieters sollte nicht allzu weit entfernt angesiedelt sein. Jeder Interessent ist vor der Suche nach dem geeigneten Modell gut beraten, sorgfältig zu überlegen, wofür er seinen Kran später einsetzen will.

Peter Richter

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