04.05.2011 | Leute

Helge Breloer †

Helge Breloer
Ostersamstag verstarb Helge Breloer an den Folgen schwerster innerer Verletzungen, verursacht durch den Tritt eines Pferdes – obwohl sie Pferde doch so liebte. Bis dahin war sie fit und agil, sie hatte noch so viel vor. Wie nur wenige kämpfte sie um den Wert und den Erhalt der von ihr ebenfalls sehr geschätzten Bäume. Sie vereinte – einzigartig – das Juristische und das Fachliche. Als Assessorin jur. und öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige konnte sie alles was mit Grün zu tun hat nicht nur als Gutachterin sondern vor allem von der rechtlichen Seite her beleuchten.
 
Wenn Gerichte, interessenorientierte Advokaten, Verwaltungen, Versicherungen, Ministerien, Berufsgenossenschaften und andere Hoheiten sich erklärungsbedürftig zu den Bäumen äußerten und wenn dadurch die Kolleginnen und Kollegen in den Fachämtern in Not gerieten, stand ihnen Helge Breloer selbstlos zur Seite. Welch ein Verlust.
 
Verheiratet mit Erwin Breloer, der einen Galabau-Betrieb leitete und auch als Sachverständiger arbeitete, war Helge Breloer mit den Gutachten für ihren Mann befasst, als sie Werner Koch kennenlernte, der das Potenzial der Juristin, die einen Galabau-Betrieb führte, erkannte und förderte. 1982 wurde sie von der Landwirtschaftskammer Rheinland für Gehölzwertermittlung öffentlich bestellt und vereidigt und war fortan eine beharrliche Streiterin für die Methode Koch.
 
Alle Gutachter einschließlich Werner Koch profitierten enorm von den rechtlichen Kenntnissen der Sachverständigen Breloer, die präzise das Recht filetierte, was Gutachter nicht dürfen. Sie war für den Berufsstand aber auch deswegen ein Geschenk, weil sie unendlich hilfsbereit und ausgesprochen fleißig war. Kein Rechtsanwalt hat sich so häufig in der Fachliteratur zu grünen Themen geäußert (es mögen weit über 500 Veröffentlichungen sein). Und alle Anfragen zu juristischen Problemen hat sie bis an den Rand des Zumutbaren abgearbeitet.
 
Die im Laufe der Zeit, nach Erweiterung ihrer Bestellung auf Baumpflege und Verkehrssicherheit von Bäumen, ihr angetragene Lehrtätigkeit für Gutachterwesen und Gehölzwertermittlung an der Fachhochschule Osnabrück (2001 bis 2008) hat Helge Breloer ebenso freudig wie klaglos erledigt, wie die unzähligen Vorträge zu Gehölzwertermittlung, Verkehrssicherungspflicht, Nachbarrecht und Baumschutz. Immer stand sie auf der Seite der Bäume und denjenigen, die tagtäglich damit befasst sind. Zum Bundesnaturschutzgesetz und zu Fragen der Unfallverhütungsvorschriften trug sie ebenso baumfreundlich vor, wie sie bei versicherungstechnischen Schwierigkeiten bei der Baumkontrolle jedermann half. Sie stritt juristisch mit Versicherungen und anderen Instanzen und selbst den Bundesgerichtshof rügte sie, wenn aus ihrer Sicht das relevante Recht nicht ausreichend berücksichtigt worden war.
 
Ihre Bücher "Bäume & Recht" 1 bis 3 (Was ist mein Baum wert? Verkehrssicherungspflicht bei Bäumen aus rechtlicher und fachlicher Sicht. Bäume, Sträucher und Hecken im Nachbarrecht, Grenzabstände in den Landesgesetzen) stehen in den Bibliotheken des Berufsstandes ebenso wie in Anwaltskanzleien oder bei Versicherungen. Die Gerichte bis hin zum BGH zitieren aus ihren unzähligen Aufsätzen, die in juristischen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden. Natürlich ist Helge Breloers Fachwissen auch in die Regelwerke des grünen Berufsstandes eingegangen.
 
Am "Runden Tisch" (ein kostenloses Spezial-Seminar an einem Samstag) brachte sie zweimal im Jahr Anfänger und erfahrene Sachverständige auf den aktuellen Stand der Gerichtsbarkeit. Mit jüngeren Mitstreitern gründete sie das "Baumzentrum", wo sie als Dozentin maßgeblich für alle Schulungen um und am Baum bereitstand.
 
Bei ihrem fast dreißigjährigen Einsatz und Kampf für die Bäume, gegen überzogene Ansprüche aus Verkehrssicherungspflichten, für angemessene Arbeitsbedingungen der Kolleginnen und Kollegen in den Fachämtern, für sachgerechte Baumpflege und gegen alle Baum-Ungerechtigkeiten hat sie tiefe Spuren hinterlassen, weil sie nicht nur kompetent sondern dabei auch unendlich bescheiden war.
 
Mit Helge Breloer haben alle, die sich um Bäume sorgen, die dafür kämpfen, die Bäume wertschätzen und die sie für eine elementare Grundlage unseres Daseins halten, eine Person verloren, die sich tagtäglich dafür mit Baumverstand und juristischer Präzision hingab. Sie wird schwerlich zu ersetzen sein, weil es keinen Juristen gibt der gleichzeitig Baumsachverständiger und umgekehrt ist. Der Berufsstand hat eine ganz wichtige Persönlichkeit verloren, die über Jahre für das Recht der Bäume eingetreten ist und die Rechtsprechung maßgeblich beeinflusst hat.
 

Dr. Hans-Joachim Schulz

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