Definierte Hackschnitzel

Energieholz-Hackschnitzel werden zunehmend zur Erzeugung von Kraft und Wärme in kommunalen, gewerblichen oder landwirtschaftlichen Holzfeuerungsanlagen ab 70 kW Nennleistung eingesetzt. Hier sind Holzhackschnitzel mit definierten Eigenschaften gefragt, die für Produzenten wirtschaftlich erfüllbar und prüfbar sein müssen. Erst dann eröffnet sich ein Markt an dezentraler Wärmeversorgung mit Holzhackschnitzeln aus der Region für die Region. Dazu ist die Qualifizierung der regionalen Akteure unerlässlich. Am gesamten Leistungsprozess sind eine Reihe unterschiedlicher Akteure beteiligt (Abb. 1), deren Wirken nicht ausreichend aufeinander abgestimmt ist.

Eine Reihe von Akteuren und ihre Leistungen beeinflussen maßgeblich, ob mit Holzhackgut effizient und wirtschaftlich geheizt wird oder Schlackebildung, erhöhte Emissionen und Störungen beklagt werden.
Foto: U. Hennecke
Der Hackschnitzelmarkt ist geprägt durch Anlieferung gewaltiger Mengen unterschiedlichster Rohholzsortimente mit geringen Qualitätsanforderungen an große Heizkraftwerke, die genau auf diese Brennstoffeigenschaften und Lieferformen ausgelegt sind. Diese großtechnischen zentralisierten Verwertungsmöglichkeiten eines früher als Abfall bezeichneten Rohstoffes verstellt den Blick auf dezentrale Möglichkeiten mit höherer Beschäftigung und Wertschöpfung und führt zu einer Verteuerung von Energieholz insgesamt.

Getrocknet und gesiebt lassen sich aus zunächst inhomogenen geringwertigeren Rohholzsortimenten eine Reihe von Sortimenten mit höherer Wertschöpfung und Verwendung gewinnen. Dies setzt grundsätzliche Kenntnisse von Aufbereitungstechnik, Markt und Qualität voraus.

Neben den Schwierigkeiten, die Anforderungen der Normen und Prüfmethoden praktikabel umzusetzen, stellen die Kosten für die Einführung einer Qualitätssicherung eine Hürde dar. Die Gesamtkosten setzen sich zusammen aus:
  • einmaligen Investitionen in Normen, Mess- und Prüfgeräte, Beratung und Schulung, Aufbau betriebsinterner Routinen, externe Qualitätsprüfung (Fremdüberwachung / Erstprüfung) inkl. Abschreibung und Finanzierung sowie
  • jährlich wiederkehrende Kosten für chargenbezogene Qualitätsprüfung, Probennahme und Laboranalyse, Fortbildungen und ggf. periodische, unabhängige externe Qualitätsprüfung (Fremdüberwachung/Wiederholungsprüfung alle drei Jahre).
Das störungsarme Bedienen, Warten und Reinigen einer Hackschnitzelfeuerung im mittleren Leistungsbereich stellt große Anforderungen an den Bediener und den Betreiber. Die berufliche Bildung hält aber derzeit keine Qualifizierungsmaßnahme für die infrage kommenden Ausbildungsberufe bereit. Dies gilt vor allem für Produktion von und Handel mit Hackschnitzeln, Fehlerdiagnosen durch Installateure und Schornsteinfeger sowie Wartung, Reinigung und Betreiben von Hackschnitzelfeuerungen. Die Holzfachschule Bad Wildungen hat nach dem erfolgreichen Verlauf des Projektes „Gescheites Brennholz“ hierzu ein Folgeprojekt mit dem Titel „Definierte Hackschnitzel“ gestartet.
 

Ziele des Projektes

Ziel des Projektes ist es, die Effizienz und Brennstoffqualität der betriebenen Holzfeuerungsanlagen und die Wettbewerbsfähigkeit der am Wärmeerzeugungsprozess beteiligten Beschäftigten durch gezielte Fortbildung zu erhöhen. Hierzu gehören folgende Maßnahmen:
  • Identifizierung von Beschäftigten aus dem Bereich Produktion von und Handel mit Energieholz-Hackschnitzeln sowie aus dem Bereich Betreiben, Warten und Reinigen von Holzheiz(kraft)werken,
  • Bedarfsanalyse an Fortbildungsmaßnahmen und Informationen zu den o.g. Wirtschaftssektoren durch Befragung,
  • Machbarkeitsstudie zu den vorgeschlagenen Maßnahmen,
  • Entwicklung und Erprobung von Fortbildungsmodulen inkl. Informationsmaterial zu „Emissionsarmes, energieeffizientes und störungsarmes Betreiben von Hackschnitzelfeuerungen ab 70 kW Nennleistung“ (Modul 1: Betreiben),
  • Entwicklung und Erprobung von Fortbildungsmodulen inkl. Informationsmaterial zu „Fehlerdiagnose und Moderation des Prozesses bei Störungen von Hackschnitzelfeuerungen ab 70 kW Nennleistung“ (Modul 2: Fehlerdiagnose),
  • Entwicklung und Erprobung von Fortbildungsmodulen inkl. Informationsmaterial zu „Trocknung und Feuchtebestimmung von Energieholz-Hackschnitzeln“ (Modul 3: Trocknung),
  • Entwicklung und Erprobung von Fortbildungsmodulen inkl. Informationsmaterial zur „Qualitätssicherung von Energieholz-Hackschnitzeln“ (Modul 4: Qualitätssicherung).
Je Fortbildungsmodul werden zwei Seminare mit jeweils 10 Teilnehmern während der Projektlaufzeit erprobt und durchgeführt. Die Entwicklung und Erprobung der Seminare finden an der Holzfachschule sowie vor Ort bei einem Hackschnitzelproduzenten und einem Anlagenbetreiber statt. Nach Ablauf der Projektlaufzeit werden die Seminare bundesweit angeboten und durchgeführt.
 

Dr. Udo Hennecke, Georg Krämer

Fußnoten:
Das Projekt wird aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, der Europäischen Union (Europäischer Sozialfonds) und der Holzfachschule Bad Wildungen finanziert sowie durch den Bundesverband Brennholzhandel und -produktion e.V. (www.bundesverband-brennholz.de) unterstützt.
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