30. Deutscher Naturschutztag
Mit der Verabschiedung eines Forderungskataloges an die Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ging am 1. Oktober der 30. Deutsche Naturschutztag (DNT) in Stralsund zu Ende. Damit reagieren die rund 600 Fachleute des Deutschen Naturschutzes auf die enttäuschende Bilanz im Internationalen Jahr der Biologischen Vielfalt (IJB) 2010. Die Land- und Forstwirtschaft in Deutschland ist nach Ansicht des DNT in weiten Teilen nicht naturverträglich. Der DNT fordert, die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt im Bereich Wald zügig umzusetzen, wonach 5 % der Wälder einer natürlichen Waldentwicklung zu überlassen sind.
In Deutschland sind fast alle Flusslandschaften und Moore dramatisch verändert worden. Damit sind massive Auswirkungen für die Tier- und Pflanzenwelt und den Wasserhaushalt verbunden.
- alle noch intakten Flussauen sind dauerhaft zu sichern und den Flüssen ist wieder deutlich mehr Raum einzuräumen.
- Es sollen in allen betroffenen Bundesländern effektive Moorschutzprogramme entwickelt und umgesetzt werden.
- Moor zerstörende Nutzungen (z. B. Palmölanbau vor allem in Südostasien) dürfen keinerlei Unterstützung erfahren und sollten international geächtet werden.
Alle Weltmeere sind steigenden Belastungen durch Schad- und Nährstoffe und einer kontinuierlich zunehmenden Industrialisierung ausgesetzt. Es findet eine fast flächendeckende Plünderung der natürlichen marinen Ressourcen vor allem durch die umfassende Überfischung statt.
- alle verfügbaren Instrumente dafür einzusetzen, umfangreiche Schutzbestimmungen für die Weltmeere und ihre Küsten international zu verhandeln und völkerrechtlich verbindlich in Kraft zusetzen. Eine der Nachhaltigkeit verpflichteten Reglementierung der Fischerei und sonstiger Meeres- und Küstenressourcen-Nutzungen ist umzusetzen.
- Beim anstehenden Ausbau der Offshore-Windenergie ist sicherzustellen, dass er naturverträglich gestaltet wird.
Täglich werden naturnahe Lebensräume weiter auf inselartige Restbestände zurückgedrängt und ökologische und genetische Austauschprozesse vor allem durch Zerschneidung weiter eingeschränkt.
- ein länderübergreifendes Biotopverbundsystem auf mindestens 10 % der Landfläche ist zu entwickeln und rechtlich zu sichern. Dem Aspekt des Biotopverbunds ist bei allen künftigen raumrelevanten Planungen eine besondere Aufmerksamkeit entgegen zu bringen.
Ohne die Leistungen der Natur wäre kein Leben auf der Erde möglich. Natur als öffentliches Gut wird übernutzt und zerstört. Politik, Unternehmen sowie Verbraucherinnen und Verbraucher berücksichtigen noch viel zu wenig den vielfältigen Nutzen des Erhalts der biologischen Vielfalt.
- den Wert der Ökosystemleistungen und der biologischen Vielfalt stärker als bisher zu erfassen, bekannt zu machen und zu honorieren. Dies gilt insbesondere für die Berücksichtigung in den gesamtwirtschaftlichen Bilanzierungen. Es bedarf im stärkeren Maße auch ökonomischer Anreize für den Erhalt und den pfleglichen Umgang mit Natur.
Die Land- und Forstwirtschaft in Deutschland ist in weiten Teilen nicht naturverträglich und die derzeitigen Intensivierungstendenzen (Stichwort Biomasse und Flächenkonkurrenzen) drohen diese Situation noch zu verschärfen.
- eine ökologische Neuausrichtung der GAP ab 2014. Es ist eine flächendeckende Grundsicherung der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft zu erreichen und Naturschutzmaßnahmen stärker als bisher auch in landwirtschaftliche Intensivregionen zu integrieren.
- Bei den Erneuerbaren Energien dürfen die gesetzlichen Regeln und Förderbestimmungen einem naturverträglichen Ausbau nicht entgegenstehen.
Dies ist bei der anstehenden EEG-Novelle, z. B. durch eine entsprechende Ausgestaltung des Bonus für nachwachsende Rohstoffe, sicherzustellen. - Für den Bereich Forstwirtschaft sind eine verstärkte Förderung der naturnahen Waldwirtschaft und eine konsequente Fortführung des Waldumbaus hin zu standortheimischen Laubmischwäldern. Dieser ist u. a. auch durch Waldumweltmaßnahmen im Rahmen der GAP-Reform zu fördern. Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt ist im Bereich Wald zügig umzusetzen, wonach 5 % der Wälder einer natürlichen Waldentwicklung zu überlassen sind.
- eine zügige Übertragung der noch nicht übertragenen Flächen der in dieser und der vergangenen Legislatur festgelegten Gesamtflächenkulissen des Nationalen Naturerbes.
- Der DNT fordert eine Fortschreibung bei der Sicherung des Nationalen Naturerbes.
- Zusätzlich zu der o. g. beschlossenen Flächenkulisse muss aktuell eine Lösung für die Sicherung der national bedeutsamen Flächen (14.000 ha) der Kyritz- Ruppiner Heide (sog. Bombodrom) gefunden werden.
Die Sicherung der biologischen Vielfalt als unverzichtbare Grundlage für alles menschliche Wirtschaften und alle gesellschaftlichen Entwicklungen ist Staatsaufgabe. Die Erfüllung dieser Staatsaufgabe erfordert einen Stopp des Personalabbaus in den Naturschutzverwaltungen von Bund, Ländern und Kommunen und eine ausreichende Ausstattung mit notwendigen Ressourcen.
BfN
































