Von Zapfen und fliegenden Saatbeeten
Die heimische Weißtanne kann auf vielen Standorten eine stabilisierende Wirkung übernehmen. Bereits ein Tannenanteil ab etwa zehn Prozent wirkt sich im Bestand sehr positiv aus. Muss die Tanne künstlich eingebracht werden, kommt auch die Saat infrage. Im Revier der Bayerischen Waldbauernschule wurde in den letzten Jahren ein wenig mit der Tannensaat experimentiert.
Samen gewinnen
Selbst da, wo es geeignete Tannenbestände gibt, stellt sich immer noch die Frage, wie man am besten an die Zapfen herankommt. Da der Tannenzapfen bereits am Baum zerfällt und dabei die Samen entlässt, muss er als Gesamtes vom Baum gepflückt werden.
Falls hiebsreife Alttannen vorhanden sind, kann der Waldbesitzer zur passenden Zeit eine oder mehrere Tannen mit gutem Zapfenbehang fällen. Die Zapfen können dann aus der Krone zusammengelesen werden. Keinen Plastiksack, sondern einen luftdurchlässigen Sack oder Korb verwenden! Handschuhe sind angebracht, da die Zapfen stark harzig sind.
Wichtig ist es, das Saatgut noch am selben Tag locker geschüttet an einem trockenen, luftigen Plätzchen auszulegen und täglich umzuschaufeln, damit Pilze keine Chance haben. Schon nach kurzer Zeit zerfallen alle Zapfen in ihre Bestandteile.
Das Gemisch aus Zapfenschuppen und Samen kann nun in Rillen gesät und mit Erde leicht überdeckt werden. Ein schnelles, einfaches und kostengünstiges Verfahren, für kleine Tannensaaten im eigenen Wald gut geeignet.
Saatgutkauf
Größere Mengen Saatgut werden meist bei Baumschulen oder Anzuchtbetrieben gekauft. Diese lassen anerkannte Tannenbestände je nach Witterungsverlauf etwa Anfang September von professionellen Zapfenpflückern beernten. Das lohnt natürlich nur in einem Jahr, in dem die Alttannen reichlich Zapfen tragen und diese auch gesund entwickelte Samen beinhalten.
In den Staatswäldern um Kelheim gibt es amtlich zugelassene Tannenbestände, die in den letzten Jahren immer wieder von Firmen beerntet werden konnten.
Anschließend werden die Tannenzapfen in sogenannten Forstsamenklengen maschinell getrocknet. Dann folgt eine Reinigung, sodass nur noch das reine, entflügelte Tannensaatgut übrig bleibt. Dieses wird eingefroren und kommt erst im Frühjahr zur Aussaat. Bevor es gesät werden kann, muss es einige Zeit im Wasserbad quellen. Die Aussaat kann nun händisch oder mit einer Drillmaschine erfolgen. Die maschinelle Aussaat hinter dem Pferd unter den Schirm von Fichtenbeständen ist ein besonders bodenschonendes und kostengünstiges Verfahren, das sich bei größeren Saatflächen anbietet.
Ein Risiko bleibt
Im Vergleich zur Pflanzung birgt die Saat im Waldbestand ein höheres Ausfallrisiko, das soll hier nicht verschwiegen werden. Bei der Saat in der Baumschule kann die Fläche durch Bodenbearbeitung, Düngung, Bewässerung und eventuell Schädlingsbekämpfung optimal vorbereitet werden, bei einer in Waldboden ist das nicht möglich. Ein Auflaufen von 30 Prozent der gesäten Samen im Wald entspricht bereits einer guten Quote, in ungünstigen Jahren kann es aber auch zum Totalausfall kommen.
Falls die Saat jedoch gelingt, hat sie gerade beim Pfahlwurzler Tanne erhebliche Vorteile. Die Wurzelentwicklung ist ungestört, die Anpassung an die Lichtsituation im Bestand ist von Anfang an gegeben, und das Verfahren ist kostengünstig.
Flächen und Saatmenge
Anforderungen an die Fläche:
- gut wasser- und nährstoffversorgte Böden, keine vernässten Standorte,
- schwache Konkurrenzvegetation, keine verlichteten Bestände mit Brombeere oder Gras,
- unter Schirm, nicht auf Freiflächen,
- ausreichend Auflichtung und Bodengare („Moosstadium“: Der Boden unter einem Fichtenbestand bekommt so viel Licht, dass Moose wachsen können),
- stabile Bestände.
- 5 bis 10 kg Tannensaatgut (Trockengewicht) pro ha, das heißt etwa 60 bis 120 Samen pro Laufmeter Rille.
- Rillenanlage streifenweise zwischen den Rückegassen (gerade oder in Schlangenlinien).
- Rillenanlage in Spiralform ergibt Tannen-Trupps mit circa 15 m Durchmesser.
Eine weitere interessante Möglichkeit bietet die Anlage von sogenannten fliegenden Saatbeeten. Dabei wird eine kleine Fläche mit circa 10 x 10 m eingezäunt. Darin wird die Saat mit mindestens doppelter Dichte durchgeführt. Ziel ist es, die überzähligen Tannenpflänzchen in den nächsten Jahren aus diesem „fliegenden Saatbeet“ zu gewinnen und andernorts als Wildlinge auszupflanzen. Bei der Auswahl einer hierfür geeigneten Saatfläche ist auf einen lockeren Boden zu achten, da man später ja wieder einen Teil der Pflanzen ausheben möchte.
Bayerische Waldbauernschule, Kelheim/Goldberg

































