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04.08.2010 | Ausbildung | Ausbildung, Studium

Die Forstwirt-Ausbildung in NRW

In Nordrhein-Westfalen ist die Forst- und Holzwirtschaft zu einem wichtigen Wirtschaftszweig geworden. Nach einer Erhebung der Landesregierung arbeiten 3 % aller Erwerbstätigen im Cluster Forst und Holz mit einer Wertschöpfung von 7,2 % des Bruttoinlandsprodukts. Diese Kennziffern übertreffen als bedeutsam eingestufte Branchen wie den Bergbau, die chemische Industrie oder die Elektrotechnik bei weitem. Fundamentale Voraussetzung für diesen Wirtschaftszweig ist die nachhaltige Bereitstellung des Rohstoffes Holz durch qualifizierte Fachkräfte.

Im Lehrsaal des Forstlichen Bildungszentrums (FBZ) NRW: Modernste Simulationstechnik
Foto: T. Wagner
Die Qualität bei der Bewirtschaftung des nordrhein-westfälischen Staatswaldes sichert der Landesbetrieb Wald und Holz auf vielfältige Weise. Der Landeswald ist seit 2006 nach PEFC zertifiziert, eine FSC-Zertifizierung wird erneut angestrebt. Die neuen, am 1. Januar 2011 in Kraft tretenden PEFC-Standards sehen eine Bewirtschaftung mit „forstwirtschaftlich aus­gebildeten Fachpersonal“ vor. Ab 2014 dürfen nur noch Forstunternehmer mit anerkanntem Zertifikat eingesetzt werden. Bei örtlicher Verfügbarkeit dieser Unternehmer besteht diese Pflicht bereits jetzt.

Bereits seit 1997 wird bei der Ausführung forstlicher Unternehmerarbeiten im Staatswald und auf Naturschutzflächen des Landes NRW die entsprechende Qualifikation der eingesetzten Arbeitskräfte gefordert. Zusätzlich müssen die Dienstleister ein Unternehmerzertifikat wie das RAL Gütezeichen Wald- und Landschaftspflege oder das Deutsche Forstservicezertifikat nachweisen.

Hohe Qualitätsstandards gelten auch für das für die Aus- und Weiterbildung zuständige Forstliche Bildungszentrum für Waldarbeit und Forsttechnik (FBZ) in Arnsberg-Neheim. Das Bildungszentrum ist zertifiziert nach DIN EN ISO 9001:2000 (Qualitätsmanagement), DIN 14001:2005 (Umweltmanagement), OHSAS 18001:1999 (Arbeitssicherheitszertifikat). Als Bildungseinrichtung und für bestimmte Weiterbildungslehrgänge ist das FBZ zertifiziert nach der Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung (AZWV) für Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit. Im Bereich der Baumpflege ist man seit 2003 akkreditierte Ausbildungsstätte durch die Gartenbau-Berufsgenossenschaft. Aufgrund des hohen Qualitätsstandards und dem breiten Aus- und Weiterbildungsangebot konnten 2009 insgesamt 17 600 Teilnehmertage verbucht werden.
 

Ausbildungsplätze in NRW

Die Ausbildungsleistung konnte bei den Agrarberufen in den letzten 10 Jahren um 29 % gesteigert werden, trotz erheblichem Rückgang der Beschäftigtenzahlen. Mit 11,6 % stellt man die höchste Ausbildungsquote neben den technisch-wissenschaftlichen Berufen.

Wie in anderen Bundesländern auch wird das Ausbildungsplatzangebot von ca. 10 000 Ausbildungsplätzen in Nordrhein-Westfalen von der Haus- und Landwirtschaft und dem Garten- und Landschaftsbau dominiert. Die Forstwirtschaft ist mit 3 bis 4 % anteilig vertreten.
Mit 280 bis 300 Ausbildungsplätzen nimmt Nordrhein-Westfalen seit Jahren hinter Baden-Württemberg bundesweit eine Spitzenstellung ein. Zurzeit bieten 111 Forstbetriebe Ausbildungsplätze an. Zehn Neuanerkennungen in den letzten vier Jahren zeigen nicht nur ein wiederkehrendes Interesse privater und kommunaler Ausbildungsbetriebe, sondern auch anhaltendes Interesse von forstlichen Dienstleistungsbetrieben. Derzeit bilden in NRW acht Forstunternehmer aus (4 % des Angebotes). Seit der 2003 geänderten Berufsverordnung über die Anerkennung von forstlichen Ausbildungsbetrieben ist eine Bindung an die Waldfläche nicht mehr zwingend. Dies bietet Forstunternehmen durchaus gute Perspektiven als Ausbildungsbetrieb. NRW ist zwar das Bun­desland mit der höchsten Unternehmerdichte (0,7 Unternehmen/1 000 ha Wald) aber die Clusterstudie Forst- und Holzwirtschaft NRW wies 2001 bei der Struktur der forstlichen Dienstleistungsunternehmen v.a. sehr kleine Unternehmen mit durchschnittlich 3,5 Mitarbeitern pro Betrieb aus. Die Branche mit 3 500 Beschäftigten benötigt durchaus gute Fachkräfte, sie ist aber wirtschaftlich nicht in der Lage, die Ausbildung alleine zu schultern.

Der Landesbetrieb Wald und Holz ist sich seiner sozialen Verantwortung bewusst: Er stellt als größter Ausbildungsbetrieb 41 % aller Ausbildungsplätze zur Verfügung. Nach einer Ausbildung besteht die Möglichkeit, einen einjährigen Arbeitsvertrag zu erhalten. Somit wird den jungen Leuten mit zusätzlicher Berufspraxis der Start ins Arbeitsleben erleichtert.
Zur betrieblichen Beurteilung von Ausbildung werden oft die entstehenden Kosten herangezogen. Der Wert, gutes Personal zur Verfügung zu haben, ist nicht genau zu beziffern. Er liegt aber mit Sicherheit über den heutigen Ausbildungskosten. Doch der Wert von Ausbildung geht über die unmittelbaren Kosten hinaus. Mit einem Ausbildungsplatz sichert man die Zukunft junger Menschen nachhaltig. Untersuchungen aus der Berufsbildungsforschung zeigen, dass eine bessere Ausbildung in der Regel auch rentabler ist.
 

Gute Zusammenarbeit bei der Berufsbildung

Jährlich werden in Nordrhein-Westfalen 80 bis 100 (Frauenanteil ca. 4 %) junge Menschen als Forstwirt ausgebildet, wobei der öffentliche Wald (Landesbetrieb Wald und Holz NRW und Kommunalwald) 85 % der Ausbildungsplätze stellt.

Das Forstliche Bildungszentrum (FBZ) führt die überbetrieblichen Lehrgänge in Abstimmung mit der Landwirtschaftskammer NRW (zuständig nach Berufsbildungsgesetz) durch. Die Berufsbeschulung ist in NRW so organisiert, dass die Auszubildenden in der ersten  Hälfte an zwei Berufkollegsschulen im Land (blockweise 6 Wochen überbetrieblich), in der zweiten Hälfte am FBZ (blockweise 15 Wochen Berufsschulunterricht) unterrichtet werden.

Die forstlichen Fächer werden nach Vorgabe des Lehrplans für das Berufskolleg durch Mitarbeiter des FBZ, die allgemeinbildenden Fächer durch Lehrer des Berufkollegs Arnsberg unterrichtet. Durch die Kombination aus Lehr- und Versuchsbetrieb fließen praxisreife Neuerungen direkt in die Ausbildung mit ein und garantieren somit eine hohe Aktualität.
Im Rahmen eines handlungsorientier­ten Unterrichts sollen vor allem eine Berufsfähigkeit mit einem hohen Ansatz selbstständigen, eigenverantwortlichen Handelns erreicht werden. Dieser gesamtheitliche Ansatz ist auch Zielrichtung der Prüfungsaufgaben, indem die eigenständige Planung, Durchführung und Kontrolle einer Maßnahme unter Beachtung der Vorgaben der Arbeitssicherheit und des Umweltschutzes erwartet werden.

Das FBZ organisiert in enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer alle Zwischen- und Abschlussprüfungen und stellt zudem einen Teil der Prüfer.
Zur Sicherstellung und Verbesserung des Ausbildungserfolges werden in Arns­berg-Neheim Lehrgänge für Ausbilder angeboten. In den letzten beiden Jahren wurde dabei schwerpunktmäßig die Sicherung des Ausbildungserfolges und die Vorbereitung für die Prüfung berücksichtigt. Zur Beurteilung der beruflichen Handlungsfähigkeit im Rahmen der überbetrieblichen Ausbildung wurde beim FBZ ein Förderbogen entwickelt und eingesetzt. Er steht den Ausbildungsbetrieben als Hilfsmittel zur Förderung ihrer Auszubildenden ebenfalls zur Verfügung. Eine gemeinsam entwickelte Informationsplattform zur Forstwirt-Ausbildung wird demnächst im Internet veröffentlicht.
 

Möglichkeiten der Weiterbildung

Forstwirtschaftsmeister: Die heutigen forstlichen Strukturen verlangen vermehrt nach gut ausgebildeten Forstwirtschaftsmeistern, die geeignete Forstbetriebe bzw. forstliche Dienstleistungsunterneh­men führen können. Alle zwei Jahre bietet daher das Bildungszentrum einen neunmonatigen Vorbereitungslehrgang auf die Forstwirtschaftsmeisterprüfung mit ca. 900 Lehrgangsstunden an. 2009 konnten 16 Teilnehmer diesen Lehrgang abschließen, darunter erstmals eine Frau. Im Bundesvergleich nimmt Nord­rhein-Westfalen bei der Forstwirtschaftsmeister-Fortbildung einen vorderen Rang ein: Innerhalb der vergangenen zehn Jahre wurde hier ein Fünftel aller deutschen Forstwirtschaftsmeister ausgebildet. Seit die bundeseinheitliche Ausbildungsverordnung für Forstwirtschaftsmeister gilt (2004), haben hierzulande 55 Teilnehmer den Meisterbrief erhalten.

Maschinenführer: Zu den bereits 1 400 in Deutschland eingesetzten Vollerntern werden mittelfristig wohl noch 350 weitere hinzukommen. Die hochmechanisierte Holzernte verlangt gut geschultes Personal, entsprechend groß ist die Nachfrage seitens der Forstunternehmerschaft. Das Forstliche Bildungszentrum bietet daher einen siebenwöchigen Fortbildungslehrgang zum Forwarder- und Harvesterfahrer an. Neben den Grundkenntnissen technischer Funktionen geht es vor allem um die eigenständige Einsatzplanung und Durchführung einer Maßnahme. An Simulatoren lernen die Teilnehmer zunächst an Originalarmaturen den Umgang mit Kränen und Vollernteraggregaten. Diese Fertigkeiten werden dann an echten Maschinen im Wald bei intensiver Betreuung geübt.
Die Entscheidung für einen sehr fordernden Lehrgang (mit entsprechend späterer maschinenlastiger Arbeitswelt) kann durch einen Test zur Eigendiagnose erleichtert werden. Am Bildungszentrum arbeitet man seit 1993 an der Erstellung derartiger Tests, die das Anforderungsprofil für solche Tätigkeiten widerspiegeln (z.B. motorische Koordinationsfähigkeiten). Die Auszubildenden erhalten bereits im dritten Ausbildungsjahr die Gelegenheit zu solchen Tests.
Seit 2009 besteht aufgrund einer nach Berufsbildungsgesetz verabschiedeten Verordnung die Möglichkeit, eine Prüfung vor der in NRW zuständigen Landwirtschaftskammer abzulegen mit dem Ziel des anerkannten Abschlusses zum/r geprüften Forstmaschinenführers/in. Erstmalig wird diese Prüfung in NRW am Bildungszentrum im Herbst 2010 durchgeführt.

Baumpflege: An den Prüfungen zum Einsatz der Hubarbeitsbühne (AS Baum II) und dem Grund- und Aufbaulehrgang Seilklettertechnik (SKT Stufe A und B) des FBZ nehmen jährlich 50 Interessenten/innen teil. Baumpflegearbeiten leisten einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherung im Wald. Besonders in den Ballungsräumen Nordrhein-Westfalens sind diesbezügliche Fertigkeiten gefragt. Verbleibanalysen der Landwirtschaftskammer NRW zeigen auch für die Bereiche Garten- und Landschaftsbau gute Arbeitsmöglichkeiten. 

Der Beruf Forstwirt/in ist in NRW nicht nur in der Forstwirtschaft selbst gefragt. Auf der Grundlage des Berufsbildungsgesetzes bieten sich den jungen Forstwirtinnen und Forstwirten vielfältige und interessante Weiterbildungsmöglichkeiten. Die Arbeitsmarktstatistik weist für NRW in den letzten beiden Jahren (unter Berücksichtigung saisonaler Schwankungen) lediglich 90 bis 140 Forstwirte/-innen ohne Beschäftigung pro Jahr aus. Es gibt wenige andere Wirtschaftszweige mit solchen Arbeitsmarktzahlen.
 
 
FBZ für Waldarbeit und Forsttechnik

Das Forstliche Bildungszentrum für Waldarbeit und Forsttechnik (FBZ) ist die einzige forstliche Aus- und Weiterbildungsstätte in NRW. Als arbeitsmarktorientierte Einrichtung entwickelt sie neue Arbeitsverfahren, führt praxisreife Techniken ein und steht allen Waldbesitzern, Forstbetrieben sowie forstlichen Dienstleistungsunternehmen als Ansprechpartner zur Verfügung.

Das breite Aufgabenspektrum wird durch ein Team von 27 Personen (Verwaltung, Küche, Arbeitslehrer) realisiert. Das FBZ verfügt über eine gute technische Ausstattung und (seit einem Neubau 2008) über 112 Betten. Der Unterricht erfolgt in acht modernen Lehrsälen, darunter einen mit vollständigen EDV-Arbeitsplätzen, einen Techniksaal und einen nach modernsten Maßstäben ausgestatteten Raum für die Forstmaschinen-Simulation. Qualitätsmanage­mentsysteme sichern die Qualität der Beratung und Bildung.

FD T. Wagner ist Leiter der Schwerpunktaufgabe „Forstliches Bildungszentrum für Waldarbeit und Forsttechnik“ beim Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald.
FAM Andreas Ernst ist Arbeitslehrer beim FBZ und Vorsitzender des Prüfungsausschusse
Fotos und Tabellen zum Artikel
  
Im Lehrsaal des Forstlichen Bildungszentrums (FBZ) NRW: Modernste Simulationstechnik.

An den Prüfungen zum Einsatz der Hubarbeitsbühne (AS Baum II) und dem Grund- und Aufbaulehrgang Seilklettertechnik (SKT Stufe A und B) des FBZ nehmen jährlich 50 Interessenten teil. Das Forstliche Bildungszentrum für Waldarbeit und Forsttechnik (FBZ) ist die einzige forstliche Aus- und Weiterbildungsstätte in NRW.
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